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Kultur - 07.06.2019

Das musikalische Vermächtnis von New Orleans

Auf seinem Debüt „Gris-Gris“ von 1968 mischte Dr. John Soul mit Rhythm’n’Blues, Jazz mit sumpfigem Funk, psychedelische Voodoo-Trommeln mit Boogie.

Mac Rebennack alias Dr. John auf dem New Orleans Jazz and Heritage Festival im April 2013.

Niemand in der brodelnden Musikszene von New Orleans beherrschte dieses spezielle „Louisiana-Gumbo“, nach dem berühmten Eintopfgericht der kreolischen Südstaaten-Cuisine, so virtuos wie Mac Rebennack. Wenn es einen musikalischen Ort gab, an dem weiße, schwarze und indigene Kulturen verschmolzen, dann war es der „Big Easy“ an der Spitze vom Golf von Mexiko. Der Gitarrist und Pianist Rebennack, bekannt geworden unter dem Namen Dr. John und seinem Alter Ego The Night Tripper, war der unbestrittene Hohepriester der einzigartigen Musiktradition von New Orleans.
Schon auf seinem bahnbrechenden Debüt „Gris-Gris“ von 1968 mischte er Soul mit Rhythm’n’Blues, Jazz mit sumpfigem Funk, psychedelische Voodoo-Trommeln mit Boogie. In der Stadt von Louis Armstrong, Fats Domino, Allen Toussaint, den Meters um die Neville-Brothers und Professor Longhair war es die wohl größte Auszeichnung, dass ausgerechnet dem weißen Bluesmann Rebennack mit seiner schamanischen Kunstfigur Dr. John die größte Verehrung entgegengebracht wurde.

Eigentlich wollte er nie Bandleader werden

Seine Karriere hatte er in den Sechzigern als Sessionmusiker unter anderem für Phil Spector, Sam Cooke und Aretha Franklin begonnen, 1973 verhalf er Van Morrison zu einem Comeback. Unvergesslich machte sich Dr. John jedoch als Hüter des musikalischen Erbes von New Orleans, immer auch mit einem ausgeprägten Faible für den Mummenschatz und die lokale Folklore des „Bayou“. Eigentlich, so erzählte Rebennack einmal, wollte er nie Bandleader werden, dafür habe ihm schlicht das Ego gefehlt – und das nötige Gesangstalent. Aber hinter seiner Verkleidung blühte er regelrecht auf: Seine unverwechselbare Stimme, die knarzte, als käme sie direkt aus der Gruft – verewigt in Martin Scorseses Konzertfilm „The Last Waltz“ über die Americana-Supergroup The Band – wurde zu seinem Markenzeichen.
In Berlin war Dr. John zuletzt 2012 aufgetreten. Da hatte ihm Vintage-Produzent Dan Auerbach gerade ein phänomenales Comeback hingezaubert, das die knochentrockene Essenz des „Doc“ freilegte. Ohne Brimborium absolvierte der sechsfache Grammy-Gewinner das Konzert großenteils sitzend, haute aber wie ein Derwisch in die Tasten. Vor zwei Jahren zog er sich, gesundheitlich angeschlagen, endgültig zurück. Trotzdem kam die Nachricht, dass Malcolm „Mac“ Rebennack am Donnerstag an einem Herzanfall verstarb, für viele überraschend. In einer Stadt, in der die Grenzen zwischen dem Dies- und Jenseits fließend verlaufen, war es für den großen Dr. John nur ein kleiner Schritt.

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