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Kultur - 10.01.2019

Die Geburt der Nation

Das Amsterdamer Rijksmuseum zeigt eine grandiose Ausstellung des Achtzigjährigen Krieges vor 450 Jahren, an dessen Ende die Niederlande entstanden.

Ein zerstörtes Relief des Judaskusses aus der Dorfkirche von Doorn (1510-1530) illustriert die Macht des Bildersturms.

Philipp II. (1527-1598) ist sich seiner Macht bewusst. Mal bildet ihn Jacques Jongelinck als Cäsar in Bronze ab, mal malt ihn Lucas de Heere 1559 als König Salomon. Philipp II. ist König von Spanien und Herrscher über ein Weltreich, in dem die Sonne nie unter geht. Aber er ist auch Herzog von Brabant und Gelderland, Graf von Holland, Graf von Flandern, kurzum Fürst der 17 verschiedenen niederländischen Gebiete, die die heutigen Staaten Niederlande, Belgien und Luxemburg umfassen. Seine Macht scheint grenzenlos. Er hat alles im Griff, wie die vier von Jacob van Deventer gemalten Pläne niederländischer Städte zeigen, vier von 250, die der Selbstvergewisserung seiner Macht dienten.

Philipp möchte Ordnung in seinem Reich, und so heißt auch der erste Raum der großen Ausstellung „80 Jahre Krieg“ im Rijksmuseum Amsterdam. Der Raum zeigt die Ruhe vor dem Sturm, denn vor 450 Jahren regte sich unter den niederländischen Adligen und Städten Widerstand gegen die drohende Abschaffung von Privilegien durch die spanische Krone. Niemand ahnte 1568, welche Folgen dieser Kampf um Privilegien bekommen würde. Schon bald wurde er zu einem Glaubenskrieg, in den schließlich auch ausländische Mächte verwickelt waren. Der Achtzigjährige Krieg zog sich über Generationen hin. Er brachte nicht nur Leid und Zerstörung, sondern entließ die nördlichen Niederlande 1648 als Republik der Vereinigten Niederlande in die Unabhängigkeit von Spanien – in einer Zeit, in der in Europa absolutistische Herrscher regierten. Trotz des Konfliktes mit Spanien entwickelte sich diese Republik zu einer ökonomischen, kulturellen und militärischen Großmacht, in der die Freiheit der Wissenschaft und des Glaubens galten.

Philipp schickt Herzog Alba mit spanischen Truppen

Reformatorische Ideen aus dem Deutschen Reich finden ihren Weg in die niederländischen Gebiete. Doch Philipp II. lässt in seinem Herrschaftsbereich nur den katholischen Glauben gelten. Das wird nicht hingenommen: Antikatholische Anhänger von Johannes Calvin überfallen 1566 Mönche und plündern Kirchen, wie Druckgrafiken belegen. Daraufhin schickt Philipp Herzog Alba mit spanischen Truppen, der mit harter Hand die spanisch-katholische Ordnung durchzusetzen versucht. Der Konflikt läuft erst recht aus dem Ruder.
Auf den Terror der „spanischen Furie“, wie später ein anonymes Propagandagemälde aus Antwerpen heißen wird, reagieren wiederum die Protestanten. Ein Bürgerkrieg bricht aus, katholische Kirchen und Klöster werden jetzt erst recht geplündert, Heiligenbilder zerschlagen, unschätzbare Kulturgüter vernichtet. Die Menschen bekommen immer mehr das Gefühl, ihr König nichts für seine Untertanen, im Gegenteil. So kommt Wilhelm von Oranien ins Spiel, der sich 1568 als Statthalter des Königs an die Spitze des Aufstandes stellt.

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