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Kultur - 12.01.2019

Der Mann, der Bayreuths „Göttervater“ war

Als Wagner- und Strauss-Sänger machte der Bassbariton Theo Adam Weltkarriere. Nun ist er 92-jährig in seiner Heimatstadt Dresden gestorben. Ein Nachruf.

Theo Adam als Landgraf im „Tannhäuser“. Der Opernsänger starb am Donnerstag mit 92 Jahren in Dresden.

„Meine schönste Zeit war eindeutig Bayreuth“, hat Theo Adam rückblickend resümiert, als er im Alter von 80 Jahren seinen Bühnenabschied nahm. Fast 30 Jahre lang war der Bassbariton auf dem Grünen Hügel präsent, allein 13 Sommer als Wotan in Wieland Wagners „Ring des Nibelungen“-Inszenierung. Den „Göttervater vom Dienst“ nannte er sich darum selber. In der Minirolle des Seifensieders Hermann Ortel hatte Adam 1952 als einer der „Meistersinger von Nürnberg“ bei den Bayreuther Festspielen debütiert. Bis 1980 sang er hier dann auch den Hans Sachs, König Heinrich im „Lohengrin“, den Landgrafen im „Tannhäuser“, Amfortas sowie Gurnemanz im „Parsifal“ sowie Fasolt im „Rheingold“. So präsent Theo Adam auch im Westen war, seine Heimat blieb stets die DDR – wo man ihn nicht nur als Interpret schätzte, sondern auch als kulturelles Aushängeschild und Devisenbringer.

Die Sängerkarriere des 1926 als Sohn eines Dekorationsmaler geborenen Theo Adam begann bereits im zarten Alter von elf Jahren, als er beim renommierten Kreuzchor aufgenommen wurde. Hier erhielt er das technische Rüstzeug für die kommenden Jahrzehnte. Kurz vor Kriegsende wurde er noch eingezogen, geriet in Gefangenschaft und begann 1947, nach Dresden zurückgekehrt, zunächst ein Lehramtsstudium. Schon 1949 aber wurde er Mitglied im Ensemble der Semperoper, machte schnell von sich reden und wechselte 1953 nach Berlin an die Staatsoper. Als seinen großen Durchbruch sah Adam aber erst den Mozart’schen „Figaro“ an, 1956 in Frankfurt am Main.

An der New Yorker Met trat Theo Adam erstmals 1969 auf, 1972 dann bei den Salzburger Festspielen. Ob an der Deutschen Oper in West-Berlin oder in Buenos Aires – für diesen DDR-Bürger existierten keine Grenzen. Er sang neben René Kollo auf Karajans „Meistersinger“-Einspielung – und er versuchte sich als Regisseur. Im DDR-Fernsehen hatte Theo Adam gar eine eigene Show.

Samtiges Timbre: Theo Adams Wagner-Helden wirkten immer menschlich

Seinen Dauererfolg ermöglichte ihm neben der souveränen Gesangstechnik vor allem seine stilistische Vielseitigkeit. In 5000 Aufführungen hat Theo Adam 108 Partien interpretiert. „Herr Adam, i muss Eana sagen, Ihre Stimme klingt wie a Cello von Stradivari“, lobte ihn Otmar Suitner einmal, der legendäre österreichische Generalmusikdirektor der Lindenoper.

Eine vorbildliche Textverständlichkeit, die Flexibilität der Stimme, aber auch seine Phrasierungskunst erlaubten es Adam, ebenso Bachs Oratorien zu singen wie Kunstlieder und Opernrollen, von der Klassik bis zur Moderne. In Singspielen wie „Zaide“ und „Zauberflöte“ überzeugt er restlos. Und seine Wagner-Helden wirken menschlicher als die so manches Kollegen, mit feinen Pianoeffekten, weichen Bögen und samtigen Timbre.

„Er war ein brillanter Künstler und ebenso großartiger Pädagoge, der vieles von seiner Begeisterung für den Gesang an die Studierenden weitergeben konnte“, würdigte ihn die Rektorin der Dresdner Musikhochschule, Rebekka Frömling. Adam sei Vorbild für Generationen von Studierenden gewesen – auch als Lehrer und engagierter Förderer des Sängernachwuchses hatte er sich einen Namen gemacht.

Als Eremit in Webers „Freischütz“ nahm Theo Adam 2006 schließlich an der Dresdner Semperoper Abschied vom Musiktheater. Danach lebte er zurückgezogen in seinem Haus am Elbhang in Loschwitz und hielt sich noch lange fit – mit Schwimmen. Im Alter von 92 Jahren ist der große Sänger, der stets auch ein bedeutender Darsteller war, am Donnerstag in seiner sächsischen Heimatstadt in einem Pflegeheim gestorben. Eine Trauerfeier ist für den 18. Januar in der Loschwitzer Kirche anberaumt. (mit dpa)

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