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Politik - 12.07.2019

So besorgt reagiert das Ausland auf Merkels Zittern

Quelle: Reuters
1:51 Min.

Drei Zitteranfälle in gut drei Wochen – kann die Kanzlerin noch die volle Leistung bringen?

Nach dem dritten Zitteranfall wächst die Sorge um den Gesundheitszustand von Bundeskanzlerin Angela Merkel (64, CDU) weiter.

▶︎ Beim Empfang des finnischen Ministerpräsidenten Antti Rinne mit militärischen Ehren bebte beim Abspielen der Nationalhymnen am Mittwoch erneut der ganze Körper der CDU-Politikerin. Anschließend sagte sie trotzdem, es gehe ihr gut.

Doch man macht sich zunehmend Sorgen um die Kanzlerin – im Ausland genauso wie in Deutschland.

„Das Fehlen einer medizinischen Erklärung ist nicht gerade beruhigend“

▶︎ „New York Times“ berichtet darüber, wie das Thema die deutschen Nachrichten dominiert: „Die Deutschen schätzen ihre Privatsphäre – und die Gesundheit der Kanzlerin ist in der Regel keine Sache des öffentlichen Interesses. Aber das Zittern am Mittwoch schoss schnell an die Spitze der Online-Nachrichtenseiten und wurde auf 24-Stunden-Nachrichtensendern diskutiert.“

▶︎ „TIME“ beschreibt, dass Merkel eigentlich für langes Durchhalten bekannt ist: „Die Gesundheit von Personen des öffentlichen Lebens wird in Deutschland im Allgemeinen als Privatsache angesehen – und die Datenschutzgesetze des Landes sind für diese Art von Informationen sehr streng. Es ist nicht öffentlich bekannt, ob Merkel gesundheitliche Probleme hat. Die Kanzlerin hat den Ruf, jahrelang bei nationalen und europäischen Verhandlungsmarathons bis spät in die Nacht durchzuhalten. Sie musste selten ihren Arbeitszeitplan erheblich kürzen.“

▶︎ Der britische „Mirror“ weist auf Merkels Erfolge und ihre Rolle bei den Brexit-Verhandlungen hin: „Es wird erwartet, dass sie eine zentrale Rolle bei den Brexit-Verhandlungen mit dem nächsten britischen Premierminister spielen wird. Frau Merkel ist seit 2005 Kanzlerin und führt die deutsche Wirtschaftsmacht.“

▶︎ Die britische „Daily Mail“ spekuliert über die Ursachen der Anfälle: „Merkel wird häufig als die einflussreichste Führerin der Europäischen Union und mächtigste Frau der Welt bezeichnet. […] Das Zittern, das nur wenige Sekunden dauern kann, kann auch ohne ersichtlichen Grund auftreten. Die seltene Krankheit trifft Menschen in den 60ern.
Im Laufe der Zeit kann der Zustand Müdigkeit, Schmerzen und Unbeweglichkeit verursachen. Es gibt zwar keine Heilung, aber Medikamente wie Clonazepam können die Symptome lindern.
Im Extremfall können Gehhilfen wie Roller, Stöcke oder sogar Rollstühle erforderlich sein. Bisher zitterten jedoch nur Merkels Arme und Hände.“

▶︎ Der französische „Figaro“ schreibt: „Das Fehlen einer medizinischen Erklärung ist nicht gerade beruhigend. Angela Merkel wollte auch nicht angeben, ob sie einen Arzt konsultiert habe. Die öffentliche Meinung in Deutschland, die das Privatleben der Bundeskanzlerin bislang respektiert hat, wundert sich allmählich: Nicht über Merkels Führungsqualitäten, sondern vielmehr über die Möglichkeit, dass sie ihren Posten vorzeitig verlässt.“

▶︎ „TheTimes of Israel“ spekuliert über ein frühzeitiges Ende von Merkels Kanzlerschaft „Die jüngsten Gesundheitsbeeinträchtigungen haben weitere Fragen über die Dauer ihrer Regierungszeit aufgeworfen. […] Als begeisterte Wanderin hat Merkel selbst einmal gesagt, dass sie die Fähigkeit besitzt, Energie für schlaflose nächtliche Gipfel zu speichern. Im Notfall würde Merkel von Vizekanzler Olaf Scholz abgelöst, der ihre Aufgaben wahrnehmen würde, bis das Parlament einen neuen Vorsitzenden wählt.“

„Eine Krankheit wird zu einem Politikum“

Auch in Deutschland macht man sich große Sorgen um die Kanzlerin:

▶︎ „Mitteldeutsche Zeitung“: „Für Angela Merkel mag die sichtbare, äußere Schwäche schwieriger zu verarbeiten sein als für andere Politiker. Merkel hat sich seit Langem antrainiert, äußere Schwächen zu verstecken, unsichtbar zu machen. Das ist legitim für eine Spitzenpolitikerin, die zu Beginn ihrer Zeit als Parteichefin und Kanzlerin brutal nach Äußerlichkeiten wie ihrer Frisur oder ungelenken Art zu reden beurteilt wurde. Krankheiten sind Politikern gestattet, sie haben ein Recht auf Regeneration von ihren kräftezehrenden Aufgaben. Aber eine Krankheit wird zu einem Politikum, wenn nicht mehr gewährleistet ist, dass der Politiker die Aufgaben in voller Energie ausfüllen kann.“

▶︎ „Allgemeine Zeitung“: „Spitzenpolitiker zu sein, kann ein Höllen-Job sein – immer auf Hochtouren, immer in der Kritik, und das immer in aller Öffentlichkeit. Wie lange Angela Merkel ihrem Job noch gewachsen ist, kann am Ende nur sie selbst beantworten. Es ist ihr zu wünschen, dass sie am besten weiß, was sie sich noch zumuten kann und sollte.“

▶︎ „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Krankheiten sind Politikern gestattet, sie haben ein Recht auf Regeneration von ihren kräftezehrenden Aufgaben. Aber eine Krankheit wird zum Politikum, wenn nicht mehr gewährleistet ist, dass der Politiker oder die Politikerin die Aufgaben in voller Energie ausfüllen kann. Es ist sehr gut möglich, dass daran im Fall von Merkel gar kein Zweifel bestehen müsste. Möglicherweise ist es punktuell und auf Momente des Stillstehens beschränkt. Aber vielleicht auch nicht. Die Kanzlerin sollte sich selbst einen Gefallen tun und diese Fragen offensiv aufklären. Sonst wird sie diese Debatte nicht mehr los.“

▶︎ „Neue Osnabrücker Zeitung“: Das Zittern der Kanzlerin löst in Deutschland und weltweit Besorgnis aus. Die Gesundheit ist auch für eine Regierungschefin Privatsache, aber eben nur zu einem gewissen Grad. Beim dritten Anfall vor laufenden Kameras binnen weniger Wochen reichen die bisherigen Erklärungsversuche nicht aus, um die Spekulationen auszuräumen. Mehr Aufklärung täte gut, damit aus einer möglichen Bagatelle kein Politikum wird. Viele Spitzenpolitiker, von Konrad Adenauer bis Helmut Kohl, haben gesundheitliche Probleme vertuscht, aus Angst, abgestraft zu werden. Eine Kanzlerin wie Merkel sollte solche Tricks nicht nötig haben.

▶︎ „Oberhessische Presse“: „Die Zurschaustellung eigener Schwäche gehört nicht zum Konzept dieser Regierungschefin, die man respektiert auf internationalem Parkett, die es immer wieder schafft, den vermeintlich Großen der Weltpolitik auch einmal gehörig den Marsch zu blasen oder sie einfach dumm in der Ecke stehenzulassen. Weil das so ist, weiß Angela Merkel selbst genauestens, was für ihre Reputation auf dem Spiel steht, wenn sie jetzt eine Auszeit nehmen müsste. Fiele sie jetzt aus als ruhender Pol an der Spitze der großen Koalition in Berlin, als nimmermüde Vermittlerin auf europäischer Ebene oder als bärbeißige Dompteurin globaler politischer Widersacher – viel stünde wohl zur Disposition.“

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