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Politik - 12.06.2019

Schaden Brexit-Borisdie Kokain-Vorwürfe?

Die Tatsache, dass Brexit-Erfinder Boris Johnson als junger Mann Kokain und Cannabis konsumiert hat, galt bislang im Vereinigten Königreich eher als Randnotiz.

Doch jetzt, da „Brexit-Boris“ ernst macht mit dem Versuch, Theresa May als Premierminister in die Downing Street 10 nachzufolgen, ist ihm die eigene Drogen-Vergangenheit offenbar peinlich. Danach gefragt, druckste der Spitzenkandidat für den Posten des neuen Premierministers bei einer Pressekonferenz peinlich herum.

Dabei gibt es die Wahrheit schon schwarz auf weiß: Johnson hat als Student in Oxford mit 19 Jahren Kokain konsumiert. Davor probierte er Cannabis aus. Das gestand er bereits vor zwölf Jahren. Die Drogenbeichten, die vier seiner Parteikollegen in den vergangenen Wochen machten, rückten auch die Vergangenheit des Ex-Außenministers wieder ins öffentliche Interesse.

Die geladenen Journalisten wollten daher am Mittwoch nur eines wissen: Steht Johnson zu seinen Jugendsünden? Der Brexit-Hardliner, der sonst durch seine klaren Ansagen bekannt ist, wollte sich darüber aber gar nicht so recht äußern.

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Ausweichende Pressekonferenz zu Kokain-Erlebnis

Auf die Frage, ob er je etwas Illegales getan habe, erwiderte Johnson, er habe vielleicht schon einmal das Tempolimit überschritten.

Auf die Droge angesprochen erwiderte Johnson, auf sein Erlebnis sei er schon „viele, viele Male“ angesprochen worden und wiegelte sofort ab: „Die meisten Menschen in diesem Land wollen, dass wir uns darauf konzentrieren, was wir für sie und dieses großartige Land tun können.“

Der ausweichende Ton bei diesem Thema hat bei Johnson schon fast Tradition. Im Interview mit „GQ“ in 2007 machte Johnson sein Beinahe-Geständnis: Damals hatte er erzählt, er habe auf das weiße Pulver genießt. Dabei sei womöglich dann aber doch ein bisschen was in seiner Nase gelandet. Später schwächte Johnson die Geschichte noch einmal ab und behauptete, es wäre wohl doch nur Puderzucker gewesen.

Johnson reagierte ganz anders als seine Parteikollegen, darunter Umweltminister Michael Gove, Entwicklungsminister Rory Stewart und Außenminister Jeremy Hunt. Sie hatten in den vergangenen Wochen von ihren „Jugendsünden“ berichtet. Frei nach der Devise: besser selbst darüber reden, bevor es ein anderer tut.

„Die interessante Frage ist, warum schadet ein solches Geständnis der Kampagne von Michael Gove, nicht aber der von Boris“, twitterte „GQ“-Redakteur Piers Morgan unmittelbar nach der Pressekonferenz. Besonders brisant: Er hatte Boris 2007 interviewt: „Boris hat zugegeben, dass er Kokain genommen hat. Eindeutig. Ich bin derjenige, dem er es gestanden hat“, schrieb Morgan weiter.

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Kokain-Geschichte macht Johnson angreifbar

Zwar dürfte sich die Empörung bei einem großen Teil zumindest der städtischen Briten in Grenzen halten. Aber: Für seine Gegner – und von denen gibt es in der Partei reichlich – ist Johnsons Kokain-Vergangenheit ein gefundenes Fressen.

Manche Widersacher haben gar geschworen, dem notorischen Besserwisser die Gefolgschaft zu verweigern. Sein Parteikollege Alan Duncan nannte Johnson „widerlich“, als er Tory-Chefin Theresa May vorgeworfen hatte, sie habe „der britischen Verfassung einen Sprengstoffgürtel umgeschnallt“.

Zuletzt hatte Johnson mit einem Interview am Sonntag für Wirbel gesorgt: In der „Sunday Times“ drohte Johnson, der Europäischen Union die vereinbarten Ausstiegszahlungen für den Brexit in Milliardenhöhe zurückzuhalten und zwar so lange, bis es bessere Bedingungen und „mehr Klarheit“ gebe.

In Brüssel hat Johnson nur einen Gleichgesinnten – und der heißt Nigel Farage.

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