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Politik - 10.06.2019

Paris stoppt E-Scooter-Irrsinn

Sie sind zu schnell, es gibt zu viele und sie werden vogelwild geparkt! Lesen Sie mal, was da demnächst auf Deutschland zurollt

Nach einigem Hin und Her werden die elektrischen Tretroller Mitte des Monats auch in Deutschland erlaubt. In die Städte kommen sie allerdings frühestens im Juli, denn nach der Zulassung müssen Hersteller für ihre Modelle erst noch Betriebserlaubnisse beantragen. Käufer und Vermieter müssen sich außerdem noch Haftpflichtversicherungen besorgen.

Einmal zugelassen gilt: Die E-Scooter dürfen maximal 20 Kilometer pro Stunde schnell fahren und müssen auf dem Radweg bleiben. Gibt es keinen Radweg, darf die Straße benutzt werden, nicht aber Gehwege oder Fußgängerzonen. Außerdem gilt ein Mindestalter von 14 Jahren.

Etliche Firmen stehen bereits in den Startlöchern, um die E-Scooter an Pendler und Touristen zu verleihen. Von den einen sind die Gefährte heiß ersehnt, andere fürchten die Flut.

Was rollt da auf uns zu? Ein Blick ins Nachbarland Frankreich zeigt: Es könnte chaotisch werden!

In Paris sind die E-Scooter seit gut einem Jahr in Gebrauch. Dort stehen rund 15 000 Tretroller, die Nutzer per Smartphone-App mieten können.

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Blick in die E-Scooter-Hölle

Verträumt entlang der Seine spazieren, in einem der schönen Pariser Parks lustwandeln oder auf einem der prachtvollen Boulevards flanieren?

In der französischen Hauptstadt ist das dieser Tage nicht immer eine gute Idee, nicht wegen des Wetters oder protestierender Gelbwesten, sondern wegen Lime, Bird, Tier und anderen – denn die verleihen massenweise Elektro-Tretroller.

Diese kleinen wendigen Stadtflitzer haben sich zu einer echten Plage entwickelt:

Nicht nur Touristen beklagen sich, dass man ständig aufpassen müsse, nicht von seinesgleichen oder Eingeborenen mit Vollspeed über den Haufen gefahren zu werden, wenn diese „in anarchischer Form“ (ein Stadtsprecher) unterwegs sind.

Oder vogelwild „parken“: Bald an jeder Ecke verschandeln die oft doch recht lieblos abgestellten E-Scooter die Umgebung. Weil gerne auch Engpässe in Gassen (oder vor Kopfsteinpflastern) als „Parkplätze“ missbraucht werden, bleibt dem Flaneur nur die Straße als Gehweg. Wenig verwunderlich, dass es bereits eine ganze Reihe schmerzhafter Unfälle gab.

Bei den Stadtoberen hat man nun die Nase voll – und das nur ein Jahr nachdem die Tretroller erstmals im Stadtbild auftauchten: Ihr Gebrauch wird nun radikal eingeschränkt. Bürgermeisterin Anne Hidalgo reagierte damit auf die vielen Beschwerden, nicht zuletzt der Pariser selbst.

Die Sozialistin kündigte diese Woche ein komplettes Parkverbot für die in Frankreich „Trottinette“ genannten Scooter auf Gehwegen an.

Sie dürfen nur noch auf Straßen mit Stellplätzen für Autos und Motorräder parken. Auch werde ihr Gebrauch „in allen Parks und Gärten verboten“.

Wer sich nicht daran hält (und erwischt wird) für den wird es empfindlich teuer: Es droht ein Bußgeld von 135 Euro, Wildparken kostet 35 Euro Strafe.

Hidalgo rief die Verleiher auf, die Geschwindigkeit der Stadt-Flitzer freiwillig auf 20 Kilometer pro Stunde in der Stadt und 8 km/h in Fußgängerzonen zu drosseln. Nutzern empfiehlt sie dringend einen Helm zu tragen.

Frankreichs Regierung arbeitet überdies an einem Verbot für E-Roller jenseits der 25 km/h. Wer dennoch schneller fährt, dem droht laut Gesetzesentwurf eine Geldstrafe von bis zu 1500 Euro.

In Paris gibt es inzwischen zehn (!) konkurrierende Anbieter für Elektro-Mietroller; ausleihen kostet einen Euro, jede Minute 15 Cent. Die Folge des billigen Angebots: In der Stadt stehen derzeit rund 15 000 zum Mieten per App bereit, bis Jahresende rechnet die Stadt mit 40 000 der schmalen Zweiräder.

Auch privat gehen sie ab: In Frankreich wurden 2018 laut Angaben des Verbandes für Mikro-Mobilität (Fédération des Professionnels de la Micro-Mobilité) 232 749 E-Scooter verkauft (plus 129 Prozent zum Vorjahr).

Weshalb in Paris schon von einem „Straßenkrieg“ die Rede ist, in der chronisch überfüllten Hauptstadt (eine der dichtesten Metropolen Europas), wo über Jahrzehnte das Auto dominierte und wo schon das Fahrrad lange (und teils) noch immer einen schweren und gefährlichen Stand hat.

Allerdings steckt die Stadt in einer Zwickmühle:

Das Rathaus will aus Klimaschutzgründen mehr alternative Fortbewegungsmittel und sperrt dafür auch große Abschnitte der Seine-Ufer für Autos (und verbietet alte Diesel).

Aus ökologischen Gründen sind die Anbieter auch gebeten, ihre Roller zu recyceln (Lebensdauer derzeit im Schnitt einen Monat) und sie mit „grüner Energie“ zu betanken, um ihre Ökobilanz zu verbessern.

Sollten Appelle an das Fahrverhalten und Sanktionen nicht die gewünschte Wirkung haben, könnte es schnell vorbei sein: Stadtvertreter ließen bereits wissen, dass man anderenfalls gezwungen sei, die Roller (vorläufig) zu verbieten.

In Madrid und San Francisco waren sie zeitweilig aus dem Verkehr gezogen worden, um Ordnung reinzubringen. In Manhattan sind sie ganz verboten.

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