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Politik - 14.06.2019

„Mein Baby hat ein Loch im Kopf“

Auswärtiges Amt soll schwer krankes Kind nach Deutschland holen

Quelle: BILD
2:08 Min.

Ihr Kind liegt im Sterben, deshalb bittet die Berlinerin Jessica das Auswärtige Amt: Holt meine Tochter nach Deutschland. Der Fall steht symptomatisch für den Umgang der Bundesregierung mit den Kindern von ISIS-Anhängern in Syrien.

Denn Jessica ging 2016 zu ISIS nach Syrien, floh zwei Jahre später wieder und lebt seitdem mit ihren Kindern in einem kurdischen Camp. Ihre jüngste Tochter (sieben Monate) Sofia leidet an einem Wasserkopf, einer krankhaften Einlagerung von Flüssigkeit im Schädel.

BILD traf Jessica im März im Flüchtlingscamp al-Hawl und berichtete über das Schicksal ihrer Tochter Sofia. Kurz darauf organisierte das Auswärtige Amt über Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation WHO eine lebensrettende Operation vor Ort. Sofia wurde ein Schlauch vom Kopf in den Unterleib operiert, der mit einer Art Pumpe verbunden ist. Mit dieser Apparatur wurde die überschüssige Flüssigkeit im Kopf des Mädchens täglich abgeleitet.

  • ISIS-Austeigerin fürchtet um ihr Kind

    Es ist meine Schuld, bitte lasst mein Baby nicht sterben

    Sie schloss sich ISIS an, flüchtete dann mit ihren drei Kindern vor der Terrorgruppe und fürchtet jetzt um das Leben ihres Babys.

Nach einem mehrtägigen Krankenhausaufenthalt wurden Jessica und ihre Tochter zurück ins Flüchtlingslager al-Hawl geschickt. Zwar erholte sich das Kind zunächst etwas, doch in dem massiv überfüllten Camp herrschen schwierige hygienische Bedingungen, die Versorgungslage ist angespannt. Knapp 74 000 Menschen sind in al-Hawl inzwischen untergebracht, ursprünglich war das Camp für etwa ein Zehntel dessen ausgelegt.

Vor einem Monat verschlechterte sich Sofias gesundheitliche Situation wieder deutlich, sie leidet immer wieder an Fieber und Durchfall, ihre Mutter kann sich keine Babynahrung mehr leisten. Mittlerweile hat sich ein Loch im Schädel des Mädchens aufgetan. Zwar sei das Mädchen noch zu einer Nachsorge gebracht wurden, so Mutter Jessica, eine Behandlung sei aber nicht erfolgt. Weil sie um das Leben ihrer Tochter fürchtet, bittet die Berliner das Auswärtige Amt deshalb, das Mädchen zur Behandlung nach Deutschland zu bringen.

Bislang allerdings zögert das Auswärtige Amt bei Rückführungen aus Syrien. Vorgeschoben wird seit zwei Jahren die Begründung, man könne in Syrien keinen konsularischen Beistand leisten, da die deutsche Botschaft in Damaskus geschlossen sei. Andere Staaten haben hingegen bereits mehrfach ihre Staatsbürger zurückgeführt, zuletzt hatten Frankreich, Norwegen, Belgien und die Niederlande mehrere Kinder aus al-Hawl gerettet.

  • Nach BILD-Bericht

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    Der Waisenjunge Yahya (7) aus Kassel wurde in einem Flüchtlingscamp gefunden, seine verstorbene Mutter hatte ihn zu ISIS verschleppt.

Deutschland hat bislang keine Waisenkinder oder medizinische Notfälle wie Sofia zurückgeführt, obwohl das Auswärtige Amt durch zahlreiche Berichte sowie die Klage eines niedersächsischen Anwalts auf die Dringlichkeit einiger Fälle hingewiesen wurde.

Knapp 100 aus Deutschland ausgereiste Islamisten befinden sich derzeit in syrischen Gefängnissen oder bewachten Flüchtlingscamps. Deren Kinder verbleiben in der Regel bei den Müttern, die in den gesonderten Bereichen der Camps untergebracht sind. Eine Herausforderung ist die Identitätsfeststellung vor allem der in Syrien geborenen Kinder: Für diese müssen zunächst DNA-Tests Klarheit über die Abstammung bringen.

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