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Politik - 14.06.2019

Kommt es zu einem neuen Golfkrieg?

++ USA halten Iran für verantwortlich ++ Video soll Schuld beweisen ++ Zerstörer „USS Mason“ auf dem Weg zum Anschlagsort
++ Öl-Preis steigt

Tanker-Krise im Golf von Oman! Nur 26 Kilometer vor der iranischen Küste wurden zwei Handelsschiffe offenbar attackiert, ein Öl-Tanker stand in Flammen! Wer dahinter steckt? Bekenner gab es keine.

Die USA geben dem Iran die Schuld für die Angriffe. Am frühen Freitagmorgen veröffentlichte das US-Militär ein Schwarz-Weiß-Video, das zeigen soll, wie iranische Streitkräfte eine nicht explodierte Haftmine von einem der beiden getroffenen Öltanker entfernen.

Tankschiff-Attacken

US-Video zeigt iranisches Kommando in Aktion

Quelle: Reuters
0:59 Min.

Das zweite Schiff, die „Front Altair“, wurde mutmaßlich um 6.03 Uhr von einem Geschoss getroffen, womöglich einem Torpedo. Davon geht die taiwanesische Raffinerie-Gesellschaft CPC aus, die das Schiff gechartert hat.
Die norwegische Reederei dementierte Gerüchte iranischer Medien, dass der Öl-Tanker gesunken sei. Alle Crew-Mitglieder konnten gerettet werden – teils auch mithilfe amerikanischer Marine-Truppen, die in der Region stationiert sind.

Experten der Bundesregierung gehen in einem internen Bericht von einer „ernsten Provokation“ aus, warnen vor einem „militärischen Konflikt“.

Wer steckt hinter
dem Angriff?

US-Außenminister Mike Pompeo erklärte am Donnerstagabend, dass nach Meinung der USA der Iran für die Angriffe verantwortlich ist. Bereits am 12. Mai attackierten mutmaßlich Einheiten der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) vier Handelsschiffe im Golf.

Auch Saudi-Arabien vermuten den Iran als Drahtzieher. Man habe keinen Grund, an den Angaben von US-Außenminister Mike Pompeo zu zweifeln, sagte dessen saudiarabischer Kollege Adel al-Dschubeir am Donnerstag (Ortszeit) dem US-Sender CNN. Der Iran habe bereits in der Vergangenheit Derartiges getan.

Großbritannien teilt ebenfalls die Einschätzung der US-Regierung. Sein Land werde zwar eine eigene Überprüfung der Vorfälle vornehmen, erklärte Außenminister Jeremy Hunt am frühen Freitagmorgen. Zunächst glaube man aber den Erklärungen des Verbündeten USA. „Wir nehmen das sehr ernst und meine Botschaft an den Iran ist, dass, wenn sie darin verwickelt sind, es eine äußerst unkluge Eskalation ist, die eine ernste Gefahr für die Aussicht auf Frieden und Stabilität in der Region darstellt“, so Hunt.

USA schicken Kriegsschiff in die Region

Die USA rechnen nach Angaben aus Regierungskreisen mit weiteren Angriffen auf Öltanker am Golf. „Wir glauben nicht, dass es vorbei ist“, hieß es am Donnerstag (Ortszeit) in Washington.

Und: Die USA haben den Zerstörer „USS Mason“ in das Gebiet geschickt. Das Schiff sei auf den Weg dorthin, wo die beiden Tanker angegriffen worden seien, teilte das US-Militär am Donnerstag mit. Der Zerstörer „USS Bainbridge“ stehe zudem in engem Kontakt mit einem der beschädigten Tanker, der „Kokuka Courageous“. Man habe zwar kein Interesse an einer Einbindung in einen neuen Konflikt im Nahen Osten. Das Militär sei aber bereit, US-Interessen zu verteidigen, etwa das der freien Schifffahrt.

Beim aktuellen Angriff wurden vermutlich durch Schnellboote verbrachte Haftminen oder Granaten verwendet. Auf diese Art der Kriegsführung hat sich die IRGC schon länger verlegt, um die Straße von Hormus zu sperren.

Weltsicherheitsrat verurteilt Angriffe

Der UN-Sicherheitsrat hat sich in einer Dringlichkeitssitzung mit den mutmaßlichen Tankerangriffen befasst. Dabei bekräftigten die USA nach Angaben von Diplomaten am Donnerstag (Ortszeit) ihre Vorwürfe gegen den Iran. US-Botschafter Jonathan Cohen bekräftigte nochmal, dass alle Hinweise auf eine Verantwortung Teherans schließen lassen – unter anderem die Art der eingesetzten Sprengsätze.

Der Sicherheitsrat hat die Angriffe verurteilt und fordert eine gründliche Untersuchung. Man habe keinerlei Beweise diskutiert, sagte der kuwaitische UN-Botschafter Mansur al-Otaibi nach dem Treffen. Eine offizielle Stellungnahme zu den jüngsten Angriffe könne er nicht machen, er fügte aber hinzu: „Es ist ein Verstoß gegen internationales Recht und es ist ein krimineller Akt.“

  • US-Außenminister sicher

    Iran steckt hinter Tanker-Angriffen

    Attacken auf zwei Öltanker im Golf von Oman – die Schiffe wurden offenbar angegriffen. Die USA machen den Iran verantwortlich.

Iran weist Schuld zurück

„Der Iran weist die unbegründeten US-Behauptungen bezüglich der Vorfälle mit Öl-Tankern am 13. Juni kategorisch zurück und verurteilt sie auf das Schärfste“, teilte die iranische Vertretung bei den Vereinten Nationen in New York am Donnerstag mit.

Sie ruft zu einem dringenden Dialog zwischen allen Ländern der Golfregion auf, um die Spannungen nach den Tankerangriffen zu lösen. In einer Erklärung am späten Donnerstagabend fordern sie die internationale Gemeinschaft auf, „die rücksichtslose und gefährliche Politik und Praxis der USA und ihrer regionalen Verbündeten zu verhindern, die die Spannungen in der Region verschärfen“.

Kommt es zu einem
neuen Golfkrieg?

Teheran will einen Krieg auf seinem Territorium eigentlich vermeiden, lässt stattdessen seine Terrorgruppen in der Region Anschläge verüben – eine Nadelstich-Taktik.

Doch intern geht die Bundesregierung von einer „ernsten Provokation“ aus, „die geeignet ist, einen militärischen Konflikt herbeizuführen, der nicht im Interesse des Irans sein kann“. Nicht auszuschließen seien aber „inhomogene Kräfte in der iranischen Regierung, die ein Interesse an einem eskalierenden Konflikt haben“.

Greift Trump jetzt
die Mullahs an?

Bis Donnerstagabend hatte sich der US-Präsident noch nicht zu den Angriffen geäußert. Es gab zunächst keine Anzeichen, dass ein militärisches Eingreifen der USA oder der Golfstaaten unmittelbar bevorsteht.

Warum ist die Straße von
Hormus so wichtig?

Ein Drittel des weltweiten Flüssiggas- und ein Fünftel des Erdölbedarfs wird durch diese Meerenge am Persischen Golf transportiert. Wegen seiner enormen Bedeutung für die Weltwirtschaft droht Iran immer wieder damit, die Straße von Hormus unpassierbar zu machen und die Energiepreise in die Höhe zu treiben. Auch gestern stieg der Ölpreis um vier Prozent, das könnte bedeuten, dass auch bei uns bald die Sprit- und Heizölpreise steigen.

Ist die Region für Urlauber
jetzt gefährlicher?

Für Ferienziele wie Dubai, Oman gibt es keine speziellen Reisewarnungen. Schon bisher galt: Bei Bootsexkursionen in der Straße von Hormus rät das Auswärtige Amt seit Längerem dazu, nicht in die Nähe der betroffenen Region zu kommen. Diese sind vom Iran besetzt, werden aber von den Vereinigten Arabischen Emiraten beansprucht.

Wem gehört der
angegriffene
Hamburger Tanker?

Das Schiff und seine 21-köpfige Crew (alle von den Philippinen) werden gemanagt von der Hamburger Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM). Offiziell gehört es zur Flotte der Japan-Reederei Kokuka Sangyo, ist registriert in Panama. Wert: 11 Millionen Euro.

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