Home Politik Griechenland pocht auf deutsche Kriegs-Milliarden
Politik - 12.01.2019

Griechenland pocht auf deutsche Kriegs-Milliarden

Präsident bekräftigt Forderung nach Reparationen

Quelle: Reuters
1:22 Min.

Griechenland hat seine milliardenschweren Reparationsforderungen an Deutschland während des Besuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Athen bekräftigt.

Die Ansprüche der Griechen auf eine Entschädigung für die Besetzung des Landes im Zweiten Weltkrieg blieben bestehen und müssten durch ein kompetentes juristisches Forum in Europa geklärt werden, sagte Präsident Prokopis Pavlopoulos der Kanzlerin während eines kurzen Treffens am Freitag.

Historische Verantwortung

Merkel erklärte, Deutschland sei sich seiner historischen Verantwortung bewusst. Auf die Reparationsforderung ging sie jedoch nicht konkret ein.

Deutschland wisse, wie viel Leid es in Griechenland in der Zeit des Nationalsozialismus verursacht habe, und ziehe daraus die Lehre, alles für gute Beziehungen zu Griechenland zu tun und dafür, dass die Länder einander zum gegenseitigen Nutzen unterstützten.

Forderung kommt immer wieder

Reparationsforderungen hatte es immer wieder gegeben. Während der griechischen Finanzkrise kamen die Forderungen wieder hoch, da viele Griechen in Angela Merkel die Hauptverantwortliche für die strengen Sparauflagen sahen, die dem Land als Gegenleistung für die Rettungspakete auferlegt wurden.

Eine vom Athener Parlament einberufene Kommission aus Experten hatte bereits vor drei Jahren den Umfang der Kriegsschäden auf mindestens 289 Milliarden Euro beziffert.

Für Deutschland ist das Thema mit dem 1990 als internationale Grundlage für die deutsche Wiedervereinigung unterzeichneten Zwei-plus-Vier-Vertrag abgeschlossen. Darin heißt es, es seien „keine weiteren Reparationen“ vorgesehen. Das gelte auch für etwaige Ansprüche aus einer Zwangsanleihe, die Nazi-Deutschland als Besatzungsmacht dem Land Anfang der 1940er-Jahre abgefordert hatte. 1960 hatte Deutschland Griechenland 115 Millionen Mark Entschädigung gezahlt.

Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck hatte sich 2014 bei einem Besuch in Griechenland für deutsche Kriegsverbrechen entschuldigt. Während der Besatzung durch Hitler-Deutschland von April 1941 bis September 1944 kamen rund 300 000 Griechen ums Leben. Die Nazis verübten zahlreiche Massaker.

Darum ging es eigentlich!

Doch Merkel war nicht in Griechenland, um erneut Reparationen zu verhandeln: Ein wichtiges Thema des Besuchs war das Migrationsproblem der EU. Merkel und Präsident Prokopis Pavlopoulos betonten, dass dies nur gemeinsam und solidarisch zu lösen sei.

Merkel erklärte weiter, sie wisse, dass gerade auf vielen Ägäis-Inseln mit überfüllten Aufnahmelagern die Lage sehr angespannt sei. „Deshalb werden wir uns von deutscher Seite auch immer für eine gemeinsame Asyl- und Flüchtlingspolitik innerhalb der EU einsetzen, bei der jeder eben auch seinen Beitrag leisten muss zur Lösung eines solchen Problems“, betonte die CDU-Politikerin.

Der Griechenland-Besuch ist Merkels erste offizielle Reise in das Land seit 2014. Auf dem Programm für den zweitägigen Aufenthalt stehen Treffen mit Ministerpräsident Alexis Tsipras und Oppositionsführer Kyriakos Mitsotakis sowie mit Vertretern aus Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft. Zudem gab es eine Diskussion mit Schülern zur Zukunft Europas.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Check Also

May will noch immer schnellen Brexit

EU-Kommissionspräsident Juncker: „Wir kommen nicht zu Potte“ Großbritanniens Premierminist…