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Politik - 4 Wochen ago

Der Waisenjunge (7) aus dem Horror-Camp!

Seine Großmutter erkannte ihren Enkel im BILD-Bericht: Jetzt kämpft die Familie um seine Rückkehr nach Deutschland

„Darf ich jetzt zu Oma nach Hause?“, fragt Yahya, als er erstmals seit vier Jahren einen Verwandten trifft.

Im April veröffentlichte BILD ein Foto eines Waisenjungen aus Kassel, der in einem nordsyrischen Flüchtlingslager gefunden wurde. Seine Mutter starb während der Schlacht um die letzte ISIS-Hochburg in Baghuz. Jetzt konnte erstmals ein Verwandter den Jungen im kurdischen Camp al-Hawl treffen und mit ihm sprechen.

Yahya (7) wuchs in Kassel auf, er wurde im Alter von drei Jahren von seiner Mutter nach Syrien verschleppt.

Seine Großmutter erkannte ihren Enkel in dem BILD-Bericht vom April und unternimmt seitdem alles, um Yahya zurück nach Deutschland zu holen. Mittlerweile wurde den Großeltern das Sorgerecht für Yahya und seinen kleinen Bruder Zacharia (2) zugesprochen.

  • Nach BILD-Bericht

    Großmutter erkennt ihren Enkel in Syrien

    Der Waisenjunge Yahya (7) aus Kassel wurde in einem Flüchtlingscamp gefunden, seine verstorbene Mutter hatte ihn zu ISIS verschleppt.

  • Warten auf Rückführung

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    Gut 60 deutsche Kinder sitzen im nordsyrischen Kriegsgebiet fest. Der FDP-Politiker Stephan Thomae fordert ihre Rückführung.


Doch einer endgültigen Familienzusammenführung stehen die große Politik und bürokratische Hürden im Weg:

Mit der kurdischen YPG-Miliz unterhält Deutschland auch aus Rücksicht auf die Türkei keine diplomatischen Beziehungen, da Ankara diese als syrischen Ableger der PKK einstuft. Zudem berief sich Berlin bislang darauf, dass man in Syrien keine Botschaft mehr unterhalte und deshalb keinen konsularischen Beistand leisten könne. Diese vorgeschobene Begründung ist allerdings hinfällig, das Auswärtige Amt arbeitet tatsächlich an der Rückführung der Waisenkinder.

Doch dieser Prozess zieht sich in die Länge, klagt Großmutter Susanne W.: „Wir haben deshalb entschieden, selbst hinzureisen.“

Die Großeltern flogen zunächst nach Erbil in Irakisch-Kurdistan, der Durchgangsstation für Reisen in die von der YPG kontrollierten Gebiete im Nachbarland Syrien.

Die beschwerliche Überfahrt nach Syrien tritt dann der Bruder von Susanne W. an, ein ehemaliger Offizier der Bundeswehr. „Ich hätte es körperlich nicht geschafft“, sagt Susanne W. „Ich bin meinem Bruder sehr dankbar, dass er das auf sich nimmt.“

In Syrien angekommen bekommt ihr Bruder Michael P. nach einem Vorsprechen bei einem Kommandeur des kurdischen Sicherheitsdienstes die Genehmigung, seine Verwandten in al-Hawl zu besuchen.

Das Camp in der Nähe der Stadt Hasakah ist das größte jener Flüchtlingslager, in denen die kurdischen Milizionäre die Frauen und Kinder bewachen, die aus den ISIS-Gebieten flohen oder sich ergaben.

Während die weiter nördlich gelegenen Camps Roj und Ain Issa über verhältnismäßig gute Infrastruktur und Versorgung verfügen, ist die Lage in al-Hawl prekär:

Nach dem Fall der letzten ISIS-Hochburg Baghuz wuchs die Zahl der Insassen auf knapp 74 000 an, obwohl das Lager ursprünglich nur für ein knappes Zehntel davon konzipiert war. Während der Großteil der Flüchtlinge syrische und irakische Zivilisten sind, die vor den Kämpfen in der Region flohen, befinden sich in einem gesondert bewachten Bereich die Frauen, die sich einst ISIS anschlossen – und Tausende ihrer Kinder.

Auch Yahyas Mutter starb während der letzten Schlacht des untergehenden „Kalifats“. Yahya und sein Bruder Zacharia überlebten, ihre Schwester Yasemin (3) wurde wie die Mutter getötet.

Um die Identität der Kinder zu klären, versprach das Auswärtige Amt, einen DNA-Test zu organisieren. Doch der wurde immer wieder verschoben, möglicherweise aufgrund der schwierigen Sicherheitslage und mangelnder Kapazitäten.

„Nachdem wir dann nach Erbil gereist sind und mein Bruder weiter nach Syrien, ging es auf einmal ganz schnell“, sagt Susanne W. „Am selben Tag wurden wir informiert, dass die DNA-Proben jetzt genommen wurden.“

Während im Fall des in Syrien geborenen Zacharia der Abstammungstest nachvollziehbar ist – das Auswärtige Amt könnte sich sonst mit dem Vorwurf der Kindesentführung konfrontiert sehen, wenn ein falsches Kind zurückgeführt würde, ist der DNA-Test für Yahya fraglich: Da er in Deutschland geboren wurde, liegt auch eine Geburtsurkunde vor, zudem ist Yahya aufgrund körperlicher Merkmale eindeutig identifizierbar.

Als Michael P. ihn im Camp besucht, spricht Yahya zwar schüchtern, erkennt aber seinen Onkel wieder und fragt nach seiner Oma. „Es ging mir sehr nahe, ihn nach so langer Zeit wiederzusehen“, sagt Michael P. zu BILD. „Auch wenn Yahya körperlich in guter Verfassung ist, merkt man ihm die seelischen Verletzungen an.“

Der Onkel überreicht Yahya einen Plüschhund, ein Geschenk der Oma. „Yahya hatte früher einen ähnlichen Stoffhund, das war sein Lieblingskuscheltier“, sagt Susanne W. „Er hat den Hund gegriffen, an sich gedrückt und nicht mehr losgelassen“, sagt Michael P. „Das war sehr ergreifend.“

Als der Onkel ihm erzählt, dass seine Großeltern auf ihn warten, ist Yahya voller Vorfreude: „Wartet Oma draußen im Auto? Kann ich jetzt mit einsteigen und nach Hause?“

Doch Michael P. muss seinen Neffen vertrösten, verspricht ihm aber, dass er bald abgeholt werde. Als er seiner Schwester von der Begegnung mit Yahya erzählt, bricht Susanne W. in Tränen aus: „Ich konnte nur noch weinen. Der Junge ist so nah, es sind nur 250 Kilometer Luftlinie von Erbil, und trotzdem kann ich ihn nicht in die Arme nehmen.“

Immer wieder telefoniert Susanne W. mit dem Auswärtigen Amt, ruft im Generalkonsulat in Erbil an. Dort wird sie jedoch wieder an die zuständigen Sachbearbeiter in Berlin verwiesen – und die wiederum sind an die Weisungen ihrer Vorgesetzten gebunden.

„Es ist nur noch Bürokratie, es müssen nur Papiere ausgetauscht werden, und mein Bruder könnte den Jungen mit nach Erbil bringen. Wir könnten hier im Hotel mit ihm auf die Ergebnisse des DNA-Tests warten, stattdessen muss er weiter in diesem furchtbaren Camp ausharren“, sagt Susanne W. verzweifelt.

Nicht nur Susanne W. hofft auf die Rückführung ihrer Enkelkinder. Auch die Verwandten der gut 100 weiteren deutschen Kinder in den Flüchtlingscamps hoffen darauf, dass es zu einem Präzedenzfall kommt – und endlich auch ihre Angehörigen nach Deutschland kommen können.

Ein wesentlicher Unterschied ist allerdings: Yahya und Zacharia sind Waisen, während der Großteil der restlichen Kinder sich in der Obhut ihrer Mütter befindet. Gegen einige dieser Frauen liegen zwar in Deutschland Haftbefehle vor, dennoch tut sich die Bundesregierung mit ihrer Rückführung besonders schwer. Ein mögliches Planspiel: Angehörige aus Deutschland bekommen das Sorgerecht übertragen, um zunächst die Kinder zurückzuführen. Auf diesem Weg wurden bereits einzelne Kinder aus irakischen Haftanstalten zurück nach Deutschland gebracht, während ihre Mütter in den Gefängnissen blieben. Allerdings hat die Bundesregierung in Bagdad einen staatlichen Ansprechpartner, zudem handelte es sich im Irak auch nur um Einzelfälle, während in Nordsyrien mehr als 100 Kinder auf Rückführung warten.

Mit jedem Tag allerdings, den die Kinder in den Camps verbringen, steigt die Gefahr, dass eines von ihnen stirbt – ein Risiko, das die Bundesregierung vermeiden will.

  • ISIS-Aussteigerin fleht um Hilfe

    „Mein Baby hat ein Loch im Kopf“

    Ihr Kind liegt im Sterben, deshalb bittet die Berlinerin Jessica das Auswärtige Amt: Holt meine Tochter nach Deutschland.

Das Kleinkind einer Berliner ISIS-Aussteigerin, welches an einem lebensgefährlichen Wasserkopf litt, wurde im April operiert – und nach der Operation zurück ins Camp al-Hawl geschickt: Mittels einer im Kopf eingesetzten Pump-Vorrichtung musste die Mutter das überschüssige Wasser aus dem Schädel ihres Kleinkindes abpumpen. Nach anfänglicher Genesung verschlechterte sich die Lage des Kindes in der prekären Umgebung wieder dramatisch, am Kopf des Kindes tat sich ein Loch auf.

Nach einem Hilfs-Appell der Mutter, ihr Kind nach Deutschland zur Behandlung zu bringen, wurde das Mädchen vor Ort erneut operiert: Der Katheter war verstopft, die Flüssigkeit konnte nicht mehr abgeleitet werden. Ob das sieben Monate alte Mädchen nach der Operation erneut ins Camp al-Hawl geschickt oder nach Deutschland gebracht wird, ließ das Auswärtige Amt offen.

Lebensgefahr

Welche Gefahren den Kindern in diesem völlig überfüllten Camp drohen, zeigt auch ein Vorfall vom vergangenen Samstag:

Ein vierjähriges Kind fiel dort in eine Jauchegrube und ertrank. „Die Grube war nur mit einer rostigen Metallabdeckung gesichert“, schilderte eine deutsche Frau aus dem Camp den Vorfall gegenüber BILD. „Das Kind ist dort beim Spielen durchgebrochen und in die Grube gefallen. Wir haben versucht es mit Stäben herauszuholen, aber die Grube war zu tief.“ Eine Stunde lang hätten sich die Frauen und die kurdischen Sicherheitskräfte bemüht, das Kind zu retten. Schließlich konnte nur noch der Leichnam des Kindes geborgen werden.

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