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Politik - 08.01.2019

Briten-Brummis üben Brexit-Stau

Verkehrskollaps bei ungeordnetem EU-Austritt unausweichlich

Lässt sich das Brexit-Chaos so wirklich begrenzen?

Seltsame Simulation auf einer Straße nahe des wichtigsten Hafen von Dover (80 Kilometer südwestlich von London): Im Auftrag der Regierung standen dort Lkw „probeweise“ Schlange. Hintergrund ist das befürchtete Chaos, wenn im Fall eines ungeregelten EU-Austritts Großbritanniens am 29. März über Nacht wieder Zoll-Kontrollen nötig werden.

Rund 10 000 Lkw bringen pro Tag vom Festland Waren über den Ärmelkanal, darunter Medikamente und (leicht verderbliche) Lebensmittel. Und die Brummis müssen auch wieder zurück. Sie alle müssten von heute auf morgen kontrolliert werden. Der Kollaps ist vorprogrammiert.

Flughafen als Not-Parkplatz

Die britische Regierung plant, einen Teil der Autobahn M 20 für die befürchtete Endlos-Brummi-Schlange abzusperren. Plan B sieht vor, einen Teil der Lkw auf den örtlichen Regional-Flughafen zu lotsen.

Um die Hauptroute zu entlasten, hat Großbritannien zudem für umgerechnet 120 Millionen Euro Fähren gebucht. Die zusätzlichen Verbindungen im Ärmelkanal sollen Lieferengpässe und Verteilungskämpfe bis hin zu Plünderungen verhindern.

Über die Nebenhäfen Poole, Portsmouth und Plymouth an der Südküste Englands sowie den Häfen Immingham oder Felixstowe an Englands Ostküste sollen die Importprodukte nach Großbritannien kommen. Ein bereits geschlossener Hafen (Ramsgate) soll sogar extra wieder in Betrieb genommen werden.

Vor allem große Unternehmen verlassen sich jedoch nicht auf die Notfallpläne, zu dessen Umsetzung die May-Regierung zuletzt 3500 Soldaten mobilisiert hat: Sie haben seit Monaten riesige Lagerflächen reserviert.

200 Parlamentarier schreiben parteiübergreifenden Brief an Theresa May

Unterdessen haben mehr als 200 britische Parlamentarier in einem parteiübergreifenden Brief eindringlich an Premierministerin Theresa May appelliert, einen Brexit ohne Abkommen zu verhindern. Ein „No Deal“ würde zu Arbeitsplatzverlusten führen, sagte die Initiatorin Caroline Spelman von der regierenden Conservative Party (Tories).

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Die Tory-Politikerin initiierte den Brief mit einem Vertreter der oppositionellen Labour-Partei. Dem Unterhaus gehören 650 Abgeordnete an. Sie sollen nächste Woche – nach BBC-Informationen am 15. Januar – über das Brexit-Abkommen abstimmen.

Eine Mehrheit für den zwischen Premierministerin May und Brüssel ausgehandelten Deal ist weiterhin nicht in Sicht. Labour-Chef Jeremy Corbyn setzt auf eine Neuwahl. Organisationen, die eine zweite Abstimmung über den EU-Austritt fordern, gewinnen seit Monaten an Zulauf, doch auch hierfür zeichnet sich bislang keine Mehrheit ab.

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