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Kultur - 07.06.2019

In der Tüte ein Marshmallow-Herz

Lena Hachs ironisch-schnoddrige Geschichte um Schüchternheit und erste Liebe

Roman um die Wirren der ersten Liebe von Lena Hach

Im Grunde wollen ja alle nach Berlin. Lotte nicht. Sie fühlte sich wohl in ihrem hessischen Dorf, in dem auch Daniel, der beste aller Kumpel, zu Hause ist. Die Eltern sind dennoch, der Karriere wegen, umgezogen. Die pubertierende Tochter musste mit, jeglicher Protest war zwecklos. Lotte hat das beste Zimmer der Wohnung bekommen und mault dennoch: „Ich habe den Verdacht, dass mich Berlin nicht leiden kann“, vermutet sie.

Was können die Berliner am besten? Motzen

Die Familie ist nach Kreuzberg gezogen, so weit im Süden, dass es fast schon Neukölln ist. Und dort soll es „gefährliche Ecken“ geben. Was soll’s, Lotte findet alle Stadtteile der Stadt „gleich bescheuert“. Mit dieser Haltung passt sie eigentlich prima nach Berlin, wo die Mehrheit der Leute, das lernt Lotte schnell, vor allem eins gut kann: motzen. Die muntere Geschichte unter dem Titel „Grüne Gurken“ kann ihren Lauf nehmen.

Ausgedacht hat sie sich die 1982 geborene Lena Hach, die bereits einige Jugendbücher vorgelegt hat. 2018 wurde sie mit dem Leipziger Lesekompass ausgezeichnet. Vor allem wohl, weil sie einen herrlich coolen, schnoddrigen Ton draufhat und ihre Geschichten mit viel Witz und Ironie verpackt. (Lena Hach: Grüne Gurken, Mixtvison Verlag 2019, 17 Euro, ab zwölf Jahren)

Aushilfe im Neuköllner Späti

Lotte betritt eher zufällig einen dieser merkwürdigen Läden, Späti genannt, in dem Besitzer Yusuf das Mädchen mal eben als Vertretung einstellt. Wer hier so alles einkauft! „Auf Fans im Fußballtrikot folgen Anzugträger und eine Frau im Opernkleid, ausgestattet mit rosaroten Rüschen und Perlenkette“, bemerkt Lotte – und hat noch nie so viele hippe Vollbart-Typen im karierten Holzfällerhemd gesehen. Die Neu-Berlinerin, anfangs noch etwas schüchtern, fasst Mut. Und erklärt einer Blondine mit Rockerstiefeln, dass „die Tampons neben dem Vollkornbrot liegen“. Yusuf hat das Späti-Sortiment sehr eigenwillig geordnet.

Worum aber geht es wirklich in diesem Buch? Um die Liebe! Und natürlich keimt sie im Späti, wo Lotte regelmäßig aushilft. Dort schließlich kauft Luke einmal in der Woche zehn Weingummis in Gurkenform. Die mag eigentlich kein Mensch, aber das ist für Lotte kein Grund, sich nicht in ihn „zu vergucken“.

Oma Blume im Seniorenheim

Wie teilt sie Luke ihre Gefühle mit? Ins Tütchen mit den Gummigurken lässt sie heimlich ein rosafarbenes Marshmallow-Herz plumpsen. Da muss er doch wissen, was Sache ist. Aber Luke, obwohl Berliner, scheint schwer von Kapee zu sein. Lotte muss sich anstrengen, um ihn „herumzukriegen“, dabei mag er sie doch so.

Um die Schwierigkeiten erster Beziehungen, um Unsicherheiten und Vertrauen dreht es sich in diesem Buch. Die Autorin legt die eine oder andere Nebenfährte aus – Oma Blume im Seniorenheim oder Yusufs Probleme mit dem Führerschein –, aber im Mittelpunkt steht die sympathisch-chaotische Lotte. Am Ende mag sie Berlin, das laute am Tag genauso wie das stille in der Nacht. Aber das ist ja nun wirklich kein Wunder.

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