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Kultur - 11.01.2019

Eins für alle: das Saxophon

Das Saxophon ist Instrument des Jahres, beliebt, wandelbar, vergleichsweise jung. Jetzt eröffnete Berlins Kultursenator Klaus Lederer das Saxophon-Jahr.

Vier von 14 Instrumentengrößen. Das Sonic Art Saxophonquartett.

Wenn Klaus Lederer ans Saxophon denkt, fallen ihm zuerst Bill Clinton und Lisa Simpson ein. Ganz im Sinne des Berliner Kultursenators ist es schon jetzt ein Instrument für alle, das deutschlandweit 27.000 Musikschüler begeistert. Und es sollen noch mehr werden.

Der Deutsche Musikrat kürt seit 2008 das „Instrument des Jahres“, um für ein breites Publikum musikalische Anreize zu schaffen. Unter der Schirmherrschaft von Peter Weniger, der als Saxophonist das Berliner Jazz-Institut leitet, wird das Cello aus dem Vorjahr jetzt vom Saxophon abgelöst.

Für Peter Weniger bedeutet das Erlernen eines Instruments vor allem die Fähigkeit zuzuhören, „ein Ohr für sich selbst und das andere für den Partner“ zu haben. Mit Julius Gawlik und Asger Uttrup Nissen, zwei seiner Studenten, eröffnete er nun musikalisch das Saxophon-Jahr im Tonstudio der Universität der Künste – in Anwesenheit von Klaus Lederer.

Das Saxophon ist ein verhältnismäßig junges Holzblasinstrument, jetzt wollen zahlreiche Musikeinrichtungen und Bibliotheken in Berlin-Brandenburg sich ihm widmen. Auf der Suche nach einer für Militärorchester nutzbaren Freiluft-Alternative zu Streichern entwickelte der belgische Klarinettist Adolphe Sax (1814 –1894) das klangvolle Blasinstrument und gab ihm seinen Namen. Es wird wie die Klarinette über ein zwischen Schnabel und Mundstück befindliches Rohrblatt gespielt.

1846 ließ sich Sax seine Erfindung in Paris patentieren. Sofort machte das Saxophon Karriere, wurde begeistert von klassischen Komponisten wie Hector Berlioz gefeiert und fand auch Verwendung in Opern von Giacomo Meyerbeer bis Jules Massenet. Und es bewies – ob lackiert, graviert, versilbert oder vergoldet – seine unvergleichliche Wandelbarkeit. Vom Piccolo-Sopran bis zum Subkontrabass gibt es 14 verschiedene Saxophon-Stimmlagen.

Instrumentenbauer aus dem Vogtland führten das Saxophon schließlich in New Orleans ein; im amerikanischen Jazz der frühen Zwanzigerjahre erfuhr es einen wahren Boom. Coleman Hawkins, Stan Getz und Lester Young sind bis heute unvergessene Saxophon-Stars, dann auch der Diffamierung der Nationalsozialisten als „undeutsches, bolschewistisches, negroides Judeninstrument“ hielt das Saxophon im 20. Jahrhundert stand.

Es findet sich ebenso in Werken von Kurt Weill wie in George Gershwins „Rhapsody in Blue“ oder Leonard Bernsteins „West Side Story“; auch Pop- und Soulgrößen wie George Michael, Lady Gaga oder Charles Bradley bedienten sich des beliebten Instruments, das für Musikanfänger einen leichten Einstieg bietet. Vom heutigen Jazz zu schweigen.

Historische Saxophone ab April im Musikinstrumenten-Museum

Hella Dunger-Löper, Präsidentin des Berliner Landesmusikrates, hofft nun auf 1000 engagierte Saxophonisten, die mit ihren Klängen die Stimmung beim Berlin-Marathon im September anheizen. Wobei der Musikrat seine Initiative weniger leistungsorientiert verstanden wissen will, ihm geht es vor allem um den Spaß und die Nachwuchsförderung. Ein reiches Bildungsangebot in öffentlichen Bibliotheken – online wie vor Ort – soll dabei helfen. So bietet das Neuköllner Jazz-Fest im Kulturstall von Schloss Britz am letzten Januar-Wochenende Workshops und Aufführungen rund um das Saxophon an, Andrej Hermlin und sein Swing Dance Orchestra werden mehrfach im Berliner Konzerthaus auftreten.

Das Musikinstrumenten-Museum zeigt ab April dann historische Saxophone, unter anderem aus der Werkstatt des Erfinders. Und bereits an diesem Sonntag (13.1., 18 Uhr) lädt die Gedächtniskirche am Breitscheid-Platz zum ersten Psalmton-Jazzpop-Gottesdienst, mit der Saxophonistin Birgitta Flick.

Weitere Informationen zum Programm unter www.instrument-des-jahres.de

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