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Kultur - 07.01.2019

Ein Haus für das Land

Nach fünf Jahren Umbau für rund 120 Millionen Euro: Das Schwedische Nationalmuseum in Stockholm eröffnet mit neuem Konzept.

Im alten Glanz. Ausstellungssaal für die Kunst um 1500.

Das Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel war noch nicht fertig, da erhielt Stüler bereits den nächsten prestigeträchtigen Auftrag: den Entwurf für das Schwedische Nationalmuseum in Stockholm. Auch dieser Bau gestaltete sich schwierig. Es dauerte knapp 20 Jahre, bis das Gebäude 1866 eröffnet wurde. Im Laufe der Jahrzehnte wuchsen die Sammlungen, das Haus wurde immer wieder verändert, den sichtbarsten Eingriff markierte die Schließung der 300 Fenster gegen das Tageslicht, zumal gegen die im langen Winter tief stehende Sonne.

2013 zwangen technische Mängel zur Sanierung. Nach fünf Jahren Umbau für rund 120 Millionen Euro durch die Architekten Gert Wingard und Erik Wikerstal wurde im Oktober Wiedereröffnung gefeiert. Seither reißt der Besucherstrom nicht ab, denn es handelt sich um das erste Haus für Schweden, das Nationalmuseum. So kündet es zuallererst vom Werden einer Nation. Als Museum eines Museums ließ sich das Haus naturgemäß nicht konservieren, zu oft war die Präsentation immer wieder verändert worden.

Das Schwedische nimmt unmerklich mehr Platz ein

Das neue Konzept, mit nunmehr gut 5000 Werken gegenüber zuvor nur 1700, stellt das nation building immer wieder in einen europäischen (kunst-)historischen Kontext. Darin ist die kriegerische Vergangenheit durchaus präsent. Wenn die Zeitschiene, die das Museum durch seine beiden Obergeschosse vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart hinein gliedert, bei Renaissance und Manierismus in herrlichen Werken von Arcimboldo schwelgen kann, so deshalb, weil die schwedischen Feldzüge im Dreißigjährigen Krieg bis nach Prag und dort zur Plünderung der Bestände Kaiser Rudolfs II. führten. Da war König Gustav Adolf bereits 1632 gefallen, selbstverständlich ist er in einer imposanten Marmorbüste präsent.

Innerhalb der timeline werden jeweils Themen aufgerufen, sodass eine kunterbunte Hängung von Werken verschiedenster Künstler und geografischer Schulen zustande kommt. Finden sich auf einer Wand beispielsweise Porträts, so sind es auf einer anderen die Adelsfamilien; für die Neuzeit kommen genderspezifische Themen hinzu wie die Rolle der Künstlerin in ihrer jeweiligen Zeit. Der Alltag spielt mit der Verbürgerlichung der Künste eine zunehmende Rolle. Das Schwedische nimmt unmerklich mehr Platz ein; die knappen Wandtexte informieren darüber, dass es im 19. Jahrhundert mehr um das Skandinavische insgesamt ging, zumal Schweden bis 1905 auch Norwegen umfasste.

John Singer Sargent ist die erste Sonderausstellung gewidmet

Als erste Sonderausstellung (noch bis 13. Januar) zeigt das Nationalmuseum einen Querschnitt durch das Werk des amerikanischen Expatriate John Singer Sargent, der sein Leben in Europa verbrachte und in London gestorben ist. Sargent (1856–1925) war der Gesellschaftsmaler schlechthin. Er hielt seine Zeit im Porträt fest, malte Magnaten und Erben, Salonlöwen und Gesellschaftsdamen und balancierte oft am Rande zum Unkonventionellen, ja Anstößigen. Warum Sargent in Schweden? Weil er mit seinen gleichaltrigen Malerkollegen Albert Edelfelt und vor allem Anders Zorn befreundet war, letzterer ein Förderer der schwedischen Nationalromantik.

Zorn malte ähnlich wie Sargent, wenn auch nicht mit ganz so leichtem, impressionistischem Pinselstrich, wie er dem Erfolgsmaler mühelos von der Hand ging. Mit Sargent und Zorn ist jedenfalls die bürgerliche Epoche umrissen, der sich das Museum verdankt und die es nach der bis in die Farbgebung der Wände detailgetreuen Restaurierung schöner denn je vorführt.

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