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Kultur - 06.04.2019

Der Kino-Pate

Der Regisseur, der auch Produzent sein wollte: Zum 80. Geburtstag von Francis Ford Coppola.

Ein Mann für epische Formate. Francis Ford Coppola.

Seine großen Erfolge liegen Jahrzehnte zurück. Trotzdem ist sein Name nie aus dem Gedächtnis verschwunden. Was daran liegt, dass Francis Ford Coppola mit der Trilogie „Godfather“ (Der Pate, 1972–1990) und „Apocalypse Now“ (1979) nicht bloß Kinoerfolge geschaffen hat, sondern Meilensteine, geradezu mythologische Werke. Und es liegt auch daran, dass Tochter Sofia Coppola mit ihren Filmen seit „Lost in Translation“ immer wieder präsent ist.

Ihren Vater, Sohn des Komponisten Carmine Coppola, als stur zu bezeichnen, wäre eine starke Untertreibung. Francis Ford Coppola hat es sich und seiner Filmfamilie nie einfach gemacht. Er wollte alles, das große Geld, die unvergessliche Kunst.

Drei Jahre dauerten die Dreharbeiten auf den Philippinen für das Vietnamkriegs-Epos, das in seiner Entstehung schon apokalyptisch war. Ganze Landstriche wurden dabei verwüstet. Die Natur schlug zurück und zerstörte in einem Taifun den Set. Die Bilder vom brennenden Dschungel, der Untergang des irren Colonel Kurtz, sehr lebensecht verkörpert von Marlon Brando, der Hubschrauberangriff im Morgengrauen zu den Klängen von Wagners „Walkürenritt“ – die Szenen vergisst man nicht. Gewalt, das ist Coppolas Thema. Ambivalent ist die Darstellung fast immer: auch wenn im „Godfather“ der abgeschnittene Kopf eines edlen Rennpferds im Bett eines Mannes liegt, der nicht auf die Mafiosi hören will.

Vermächtnis „Megalopolis“?

Gewalt und Ehre, Krieg und Drogen, Sterben als Operninszenierung: Coppola greift nach dem Archaischen. Jetzt hat er für das Festival von Tribeca einen „Final Cut“ von „Apocalypse Now“ angekündigt. Mehrere Versionen existieren bereits. Und er will endlich, nach jahrzehntelanger Vorbereitung, sein Vermächtnis in Angriff nehmen, ein Filmprojekt namens „Megalopolis“. Es soll ein Epos im großen Stil werden, das all seine Erfahrungen verarbeitet. Schauplatz ist wohl New York, wo Visionäre an der Stadt der Zukunft bauen.

Das passt zu Coppola. In den achtziger Jahren reichten seine Filme längst nicht mehr so weit. „One from the Heart“ war ein Desaster, künstlerisch und vor allem finanziell. Mit seinen Zoetrope Studios wollte er sich unabhängig machen, als Meisterregisseur und Studioboss, er experimentierte mit Filmelektronik, die heute als revolutionär angesehen wird, und brach krachend ein, hatte Berge von Schulden. Zu der Zeit drehte Wim Wenders bei Coppola „Hammett“, auch keine filmische Offenbarung. Bei Coppola waren auch die Flops episch und von einer Riesenpublicity begleitet.

„Wissen Sie, wie es ist, ein Regisseur zu sein? Es ist, als wenn man vor einer Lokomotive läuft. Wenn man anhält, stolpert oder einen Fehler macht, wird man überfahren. Wie kann man mit diesem Ding hinter sich kreativ sein?“ Zu Coppolas Vergleich gehört, dass er dann auch noch der Lokomotivführer ist. Und der Heizer.

An diesem Sonntag feiert der aus Detroit gebürtige Amerikaner mit starken italienischen Wurzeln seinen 80. Geburtstag. Seit den siebziger Jahren besitzt er Weingüter in Kalifornien. Besonders die Rotweine – nicht ganz billig – sind zu empfehlen. Und da natürlich der „Directors Cut“.

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