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Kultur - 16.06.2019

Cheerio, Miss Judi!

Der äußerst vergnügliche Dokumentarfilm „Tea with the Dames“, mit vier großen Ladies der britischen Schauspielkunst.

Alle vier wurden vom britischen Königshaus zu „Dames“ geadelt: Maggie Smith, Joan Plowright, Eileen Atkin und Judi Dench (v.l.).

Wie sie sich ungeduldig ins Wort fallen und einander ihre Hörgeräte anbieten, als eins davon ausfällt! Alleine das Tempo, der Esprit und das backfischhafte Gekicher: Diese Drama-Queens der britischen Schauspielkunst sind schlicht die Wucht. Alle vier wurden vom Königshaus zu „Dames“ geschlagen, zu Ritterinnen, Eileen Atkins, Judi Dench, Joan Plowright und Maggie Smith.

Jetzt hocken sie für einen langen Nachmittag in Plowrights hübschem Cottage zusammen, für den Dokumentarfilm „Tea with the Dames“ von Roger Mitchell („Notting Hill“), und erinnern sich. An die verrückten Geschichten in den 50er und 60er Jahren, als sie im Old Vic auf der Bühne standen und auf dem Trafalgar Square gegen den Vietnamkrieg demonstrierten. Wir haben es krachen lassen, sagt Dame Eileen Atkins, wir brauchten die Sixties gar nicht. 342 Jahre bringen sie zusammen vor die Kamera, und sie sind seit Jahrzehnten befreundet, eine Ewigkeit lang.

Bei der unvermeidlichen Frage nach dem Alter erzählt Dame Judi Dench von diesem blutjungen Pfleger im Hospital, der sie fragte, wie denn „unser“ Name und wer „unsere“ Betreuerin sei. Bloß weil sie wegen eines Hornissenstichs im Hintern ausnahmsweise mal Hilfe brauchte. Der Tod? Ich gedenke nicht zu sterben, ruft Judi Dench. Themenwechsel bitte, meint Dame Joan Plowright, die inzwischen fast blind ist. Also, wie war denn die Arbeit mit Ihren Schauspieler-Ehemännern? Schweigen am Tisch.

Friedhofsruhe, feixt Plowright, sie war mit Laurence Olivier verheiratet. Mit dem hatte Dame Maggie Smith ihre liebe Mühe, er schimpfte immer, dass sie die Vokale schlecht artikuliere. Als er den Othello spielte, klebte sie ihm seine Wimpern an und parierte mit „How now brown cow?“. Es war die Zeit des Blackfacing.

Und „Downton Abbey“? Die Hüte hat Maggie Smith immer gehasst: viel zu schwer. Und so groß wie die Royal Albert Hall. Die Serie hat sie sich übrigens selber nie angeschaut, trotz DVD-Box-Präsent der Produzenten.

Ach, man möchte ihnen stundenlang zuhören, wenn sie über ihre Anfänge mit Tournee-Aufenthalten in billigen Absteigen reden, über Lampenfieber oder wie es ist, Königinnen zu spielen. Und man möchte auf der Stelle die alten Filme anschauen, mit deren Ausschnitten der Dokumentarfilm garniert ist. Theaterposen, Boulevardklamauk, die Nähe zum Stummfilm ist unübersehbar. Plowright mokiert sich über die komischen Sprechpausen in modernen Shakespeare-Inszenierungen. Als falle den Figuren gerade erst ein, was sie sagen. Shakespeare, der hat doch Rhythmus, das ist Sprachkunst!

Und wie steht es um die Eifersucht untereinander? Sagt meine Agentin, wollen wir doch mal sehen, ob wir in den USA einen kleinen Cameo-Auftritt für dich ergattern können, den Judi Dench sich noch nicht geschnappt hat, erzählt Plowright. „Das ist gemein“, sagt Judi Dench. Plowright: „Nein, das ist Amerika, Schätzchen.“ Derweil scheuchen die Ladies die Jungs vom Filmset durch die Gegend, verschrecken den Fotografen („Sind Sie schon die ganze Zeit da? Wollen Sie zwischen uns?“) und fordern Champagner. Kurz vor Filmschluss ist es soweit, es wurde auch Zeit.

Vor allem Judi Dench und Maggie Smith haben diesen entwaffnenden, Blick. Er kündet von einer Souveränität, die wahrscheinlich hart erkämpft ist. Sie sind so frei, diese alten Damen, und man merkt wieder, wie selten man das immer noch bei Frauen in der Öffentlichkeit erlebt.

Cleopatra? Ich bin ein Wechseljahre-Zwerg, sagte Judi Dench

Am Anfang steht die Cleopatra-Frage im Raum. Vor der Rolle hatten sie alle Angst, Lampenfieber ist gar kein Ausdruck. Eileen Atkins lehnte die Cleopatra gleich vier Mal ab. Judi Dench spielte sie dann, an Peter Halls National Theatre – nicht ohne Hall zu fragen, ob er die Schönste der Schönen tatsächlich mit ihr, diesem „Wechseljahre-Zwerg“ besetzen wolle. Cheerio, Miss Judi! Ihren Bühnenpartner Anthony „Antonius“ Hopkins hat die Zwergin dann locker in die Tasche gesteckt.

OmU, ab Donnerstag in 6 Berliner Kinos, OV im Cinestar Sony-Center

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