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Kultur - 13.05.2019

Alles, was sie tat, war musikalisch

Sie war ein Energiebündel und bekam das Image der Sauberfrau verpasst: Zum Tod der großen Sängerin und Schauspielerin Doris Day.

Traumpaar. Doris Day und Rock Hudson.

Liebe, das ist Krieg. Es gibt Scharmützel und Waffenstillstände, blutige Schlachten und himmelhochjauchzende Versöhnungen. Am Ende, wenn alles gut geht, verwandeln sich die Kombattanten in Engel, landen vor dem Traualtar und sagen Ja zueinander. Es folgt der Abspann.
So war es jedenfalls in den technicolorbunten, euphorisch überdrehten Hollywood-Komödien der fünfziger und sechziger Jahre. Man muss die Fernsehserie „Mad Men“ nicht kennen, um zu wissen, dass in der New Yorker Werbeindustrie damals mit den härtesten Bandagen gekämpft wurde. Es reicht, den Film „Lover Come Back“ zu sehen, den Delbert Mann 1961 mit Doris Day und Rock Hudson inszeniert hat. Er spielt in der Madison Avenue, wo, wie es im Vorspann heißt, „in Bienenstöcken aus Stahl und Beton die Ideen ausgebrütet werden, die bestimmen, was wir essen und trinken, wie wir gurgeln und wonach wir duften“.

Strenge Blicke unterm Kompotthütchen

Day und Hudson arbeiten als Kreativdirektoren in rivalisierenden Werbeagenturen. Sie besteht auf die strikte Einhaltung von Fairnessregeln im Konkurrenzkampf und wirkt, unter ihrem Kompotthütchen streng hervorblickend, stets ein wenig verspannt. Er ist ein Hallodri, der bei den Dreharbeiten in einem Fernsehstudio mit der Miss Bohnerwachs flirtet. Ein Gerücht über ein neues, unschlagbares Waschmittel namens „VIP“ löst eine Kettenreaktion von Verwicklungen aus, bei denen die Stars nach einigen Schreiereien und Handgreiflichkeiten stark alkoholisiert und versehentlich miteinander verheiratet in einem Bett landen. Neun Monate später ist der Nachwuchs da.

In Deutschland kam der Film mit dem anzüglichen, verklemmten Titel „Ein Pyjama für zwei“ in die Kinos. Day hat noch zwei weitere, ähnlich harmlose Komödien mit Hudson gedreht, „Bettgeflüster“ (1959) und „Schick mir keine Blumen“ (1964). Immer geht es um Sex, aber darüber gesprochen wird bloß in augenzwinkernden Andeutungen. Diese Filme, bei denen jeweils der quecksilbrige Tony Randall als Sidekick fungiert, sind genauso porentief rein, wie es „VIP“ verspricht, das Seifenpulver, das sich als Chimäre erweist.

Ehrengalerie der Liebesparade

Doris Day und Rock Hudson haben einen Platz in der Ehrengalerie der großen Hollywood-Liebespaare, zusammen mit Vivien Leigh und Clark Gable oder Humphrey Bogart und Lauren Bacall. Ein echtes Liebespaar konnten sie allerdings schon deshalb nicht werden, weil Hudson schwul war, was erst öffentlich wurde, als er 1985 an den Folgen von Aids starb. „Wir haben uns durch die drei gemeinsamen Filme gelacht und blieben sehr gute Freunde. Ich vermisse ihn“, hat Day Anfang dieses Jahres dem „Hollywood Reporter“ in einem ihrer seltenen Interviews gesagt.

Doris von Kappelhoff, die 1922 als Kind deutscher Einwanderer in Cincinnati geboren wurde und ihren Nachnamen durch Day ersetzte, hatte das Pech, in einer Zeit zum Star aufzusteigen, die besonders prüde und bigott war. Von der anarchischen, mit Geschlechterrollen spielenden Hochgeschwindigkeitskomik früherer Screwball-Comedies sind in Lustspielen wie „Babys auf Bestellung“ (mit Richard Widmark), „Meisterschaft im Seitensprung“ (mit David Niven) oder „Eine zu viel im Bett“ (mit James Garner) bloß noch Spurenelemente übrig. Die Schauspielerin bekam das Image der Sauberfrau verpasst, mit ihrem strahlenden Lachen, der blonden Barbiefrisur und den blauen Augen verkörperte sie den Traum von der ewigen Unschuld.

Schön wütend werden

Dabei war sie ein Energiebündel, ihre cholerischen Ausbrüche vor der Kamera, bei denen sie garstig mit den Augen funkelte, mit den Füßen aufstampfte und Ohrfeigen verteilte, sind legendär. „Keine kann schöner wütend werden“, hieß es in ihren Glanzzeiten über sie, und vielleicht zeigte sich in dieser Wut auch die Enttäuschung darüber, dass die Produzenten ihr nach „Bettgeflüster“ bloß immer wieder die gleiche Rolle der widerspenstigen, schließlich von einem Mann gezähmten Frau anboten. Ihr Lieblingsfilm war die Westernkomödie „Schwere Colts in zarter Hand“ (1953), in dem sie die Revolverheldin Calamity Jane spielte. „Als ich aufwuchs, war ich ein Tomboy, ein Wildfang, deshalb war das eine tolle, lustige Rolle für mich“, hat sie gesagt.

Begonnen hatte Doris Day ihre Karriere als Sängerin. Nach einem Autounfall musste sie längere Zeit im Bett verbringen und entdeckte im Radio den Swing von Benny Goodman und Ella Fitzgerald. „Ihre Stimme faszinierte mich, ich sang mit und versuchte, die lässige und präzise Art nachzuahmen, mit der sie die Wörter hervorbrachte.“ Day absolvierte eine Gesangsausbildung, wurde vom Bandleader Barney Rapp engagiert und tourte bald mit großen Orchestern. Die Ballade „Sentimental Journey“, Anfang 1945 aufgenommen, wurde ihr erster Hit. Ein Sehnsuchtslied, das zur Demobilisierungshymne der amerikanischen Truppen am Ende des Zweiten Weltkriegs aufstieg.

Ohrwurm für Hitchcock

Doris Day war in allem, was sie tat, musikalisch. Einer ihrer schönsten Filme ist das Jazzmelodram „Young Man with a Horn“ mit Kirk Douglas als heroinabhängigem Trompeter, in Hitchcocks Thriller „Der Mann, der zu viel wusste“ singt sie den Ohrwurm „Que será“. Ihre Filmkarriere beendete sie 1968, um sich fortan dem Privatleben und Tierschutz zu widmen. Am Montag ist sie in Kalifornien gestorben. Sie wurde 97 Jahre alt.

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