17. Juli 2004

Jugendantifa Marburg

Sammelbecken für Neonazis in Mittelhessen

Das sogenannte "Aktionsbüro Mittelhessen"

Das "Aktionsbüro Mittelhessen", kurz ABM, besteht aus einem engen Personenkreis um den Marburger Neonazi Manuel Mann. Es begreift sich selbst als Sammelbecken der mittelhessischen "Freien Kameradschaften" (lokale Zusammenschlüsse von Neonazis ohne parteilichen Überbau). Das Ziel ist eine bessere Koordinierung der "freien" faschistischen Kräfte sowie ein geschlossenes Auftreten auf Aufmärschen. In mehreren Flugblättern des ABMs fanden sich außerdem Aufrufe zur Anti-Antifa Arbeit.

Manuel Mann: Der 24jährige Manuel Mann aus Rossdorf ist wohl einer der aktivsten Neonazis im Raum Marburg. Er war der Anmelder der ersten Nazidemo am 17.1.04 in Gladenbach, die sich gegen das Verbot einer bekannten Rechtsrock Band richten sollte. Er ist Mitglied der NPD Hessen, des "Volkstreuen Komitees für gute Ratschläge" der "Kameradschaft Marburg" sowie diverser anderer Organisationen deren tatsächliche Existenz eher zweifelhaft erscheint. Er unterhält enge Kontakte zu den "Berserkern Kirtorf" bzw. "Kameradschaft Kirtorf" und ist seit langem aktiver Kader und Gründungsmitglied im "Aktionsbüro Mittelhessen". Erst am 9. Juni 2004 will er wieder "über 3000 Flugblätter zur Europawahl" in Marburgs Innenstadt verteilt haben. Zu seinen engsten Vertrauten gehören vor allem Dennis Agel, mehrfach vorbestrafter Gewalttäter, sowie Konstantin "Nino" Volk, rechter Schläger und Brandstifter.

Christian Worch: Der Hamburger Christian Worch ist einer der bekanntesten Neonazis aus dem Bundesgebiet. Er fungierte als Anmelder der letzten beiden Naziaufmärsche in Marburg und Gladenbach und ist Führungskader der "Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front" (GdNF). 1980 kam es zu mehreren Verurteilungen, die zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren zusammengefasst wurden. Ende Februar 1996 trat er seine Haftstrafe an, wurde aber schon 1997 wegen guter Führung entlassen. Worch ist der entscheidende Verbindungsmann der Freien Kameradschaften für Aktionen der NPD. In einem Interview mit dem "Zentralorgan" (8/99) äußerte er: "Selbstverständlich ist auch die NPD als Partei nur ein Mittel zur Durchsetzung unserer Weltanschauung".

Er pflegt auch internationale Kontakte, darunter zu der dänischen Neonazi-Szene. Außerdem ist er einer der Hauptaktivisten der sog. Anti-Antifa-Kampagne. Die Aktionen gegen Andersdenkende werden mit einem angeblichen Widerstandsrecht im "Kampf gegen die Herrschenden" begründet. Er schreibt in einer Reihe von Neonazi-Pamphleten, so z.B. dem Reichsruf, Hamburger Sturm, Sleionir, Nachrichten der HNG und Recht und Wahrheit. Worch wurde wegen der Verwendung der Naziparole "Ruhm und Ehre der Waffen-SS" bei einem Aufmarsch am 1. September 2001 in Leipzig angeklagt. Aufgrund einer Immobilienerbschaft verfügt Christian Worch über große finanzielle Mittel, weswegen er es sich leisten kann ausschließlich "Politik" zu betreiben und seine braune Weltanschauung unter die Leute zu bringen.

Kirtorf: Idyllisch im hessischen Vogelsberg gelegen, hat sich in den letzten Jahren zu einem bundesweit bedeutenden Zentrum der Naziszene entwickelt. Seit 1980 treten dort immer wieder Nazis in Erscheinung und veranstalten dort regelmäßige Treffen und Rechtsrock-Konzerte bei denen bis zu 600 Personen erschienen sind.

Die beiden vermutlich personenidentischen Gruppen "Kameradschaft Kirtorf" und "Berserker Kirtorf", (die Teil des "Aktionsbüro Mittelhessen" sind, welches seit Sommer 2003 in Erscheinung getreten ist) stammen beide aus Kirtorf. Mit der Rechtsrockgruppe "Gegenschlag" kommt auch eine der derzeit prominentesten deutschen Rechtsrock Bands aus Kirtorf.

Mit Kirtorf verfügen die Nazis derzeit über einen idealen Ort für Veranstaltungen, da in mehreren eigenen Anwesen jederzeit problemlos Konzerte, Treffen etc. stattfinden können. So stellt zum Beispiel Bertram Köhler seit Jahren seine ausgebaute Scheune in Kirtorf zur Verfügung wo sich im Sommer wöchentlich bis zu 40 Nazis treffen. Des weiteren haben Nazis in Kirtorf die Möglichkeit den Hitler-Geburtstag zu feiern, da Glenn Engelbrecht aus Kirtorf an dem selben Tag (20. April) Geburtstag hat und das fest somit nicht von Seiten der Polizei verboten werden kann.

Sascha Graf, der auch in Kirtorf wohnt, betreibt zu dem einen Online Versandhandel. Hier gibt es von Nazimusik über Elektroschocker bis hin zu Nachtsichtgeräten und Schreckschusswaffen so ziemlich alles, was das Herz eines "stolzen Kameraden" begehrt. Die Bevölkerung scheint gegenüber der Nazi Präsenz bis jetzt tolerant bzw. ignorant. Auch sonstigen Widerstand haben die Kirtorfer Nazis leider noch nicht erfahren müssen. Das soll und muss sich ändern !

(Quelle: Jugendantifa Marburg)

 
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letzte Aktualisierung: 12.03.05