5. Oktober 2009
Rechtsextreme bei der Bundeswehr
Manöver mit Neonazis
Das Landesmagazin des Hessischen Rundfunks de facto deckte in der Sendung vom Sonntag auf, dass zwei bekannte Rechtsextremisten aus der Schwalm vor einigen Wochen an einem Bundeswehr-Manöver in Frielendorf teilgenommen haben. Die Männer sind Soldaten der Reserve. Die örtliche Reservisten-Kameradschaft feierte mit der Übung, einer Waffenschau und Erbsensuppe ihr 40-jähriges Bestehen. Der hessiche Reservistenverband will sich nun von den Reservesoldaten trennen.
Auszüge aus dem Magazin de facto, Hessischer Runfunk www.hr-online.de vom Sonntag, 4. Oktober 2009:
"In voller Kampfmontur durch´s Fachwerk-Idyll - Bundeswehrreservisten vor einigen Wochen bei einer Übung in Frielendorf im Schwalm-Eder-Kreis. Die Freiwilligen wurden reaktiviert vom Landeskommando der Bundeswehr in Hessen. Die örtliche Reservisten-Kameradschaft feiert in diesen Tagen ihr 40-jähriges Bestehen und liefert das Rahmenprogramm mit Erbsensuppe und Würstchen. Militärübung und gemütliches Beisammensein neben Panzer und Maschinengewehr dienen laut Reservistenkameradschaft der ´Stärkung der Wehrbereitschaft´. (...)
Doch merkwürdig: einer der Reservisten ist ein einschlägig bekannter Neonazi, Martin B.. Auch er nimmt an dieser Bundeswehrübung teil. Seine ´Wehrbereitschaft´ stellt Martin B. auch schon mal anders unter Beweis. Als Aktivist der rechtsextremen Schlägerbande ´Freie Kräfte Schwalm-Eder´ unterstützte er im Landtagswahlkampf 2008 die NPD. Und auch im Internet macht er keinen Hehl aus seiner rechtsextremen Gesinnung. Unter dem Psydonym ´Nick Rivers´ präsentiert er sich als ´Hauptgefreiter der Reserve´ und ´Regimegegner´. Zu seiner Lieblingsmusik zählt er drei bekannte Rechts-Bands [Aggravated Assault, Blue Eyed Devils, Chaos 88] und seine Lieblingsbücher stünden fast alle auf dem Index, schreibt er." (...)
autonome Rechte in Bad Wildungen
26.04.08: autonome Rechte bei einem Infostand der NPD in Bad Wildungen *
[In dem Fernseh-Bericht wird hier unter anderem dieses Foto vom 26. April 2008 eingeblendet. Der Fotograf und Augenzeuge hatte die Aufnahme damals auch uns zugesandt. Das Bild zeigt offenbar den oben genannten Bundeswehr-Reservisten Martin B..
In Bad Wildungen (Landkreis Waldeck-Frankenberg, Nordhessen) hatte die NPD an diesem Tag einen Infotisch aufgebaut, unter anderem betrieben von dem jungen NPD-Aktivisten David Giesler. Im Laufe des Vormittags tauchten dann im Umfeld des Infostisches, der von friedlichen Gegnern begleitet wurde, vermummte Mitglieder der autonomen Rechten auf. Sie wurden teilweise erkannt und konnten überwiegend der Gruppe "Freie Kräfte Schwalm-Eder" zugeordnet werden. Die Nazis drohten anwesenden Nazi-Gegnern Gewalt an und riefen Namen von anwesenden AntifaschistInnen laut aus, teilweise mit Adresse oder dem Fahrzeugkennzeichen des Betroffenen.]
"Im Internet finden wir einen weiteren einschlägig bekannt gewordenen Reservisten: Wolfram M.. Der Vorsitzende der Reservisten-Kameradschaft Großropperhausen, einem Ortsteil von Frielendorf, ist jahrzehntelang in der rechtsextremen Szene aktiv gewesen. Er gehörte schon Anfang der achtziger Jahre zum Umfeld einer Gruppierung, die später diverse Sprengstoffanschläge und Banküberfälle verübte. Bis in die Neunziger setzte sich Wolfram M. im Bundesvorstand der ´Hilforganisation für nationale Gefangene´ für neonazistische Strafgefangene ein. Die Organisation wird vom Verfassungsschutz als eindeutig rechtsextremistisch eingestuft. Über den Reservistenverband der Bundeswehr im Schwalm-Eder-Kreis hat Wolfram M. in den letzten Jahren mehrfach auch an Schießübungen teilgenommen. Außerdem besitzt er nach Informationen von de facto eine Waffenbesitzkarte, mit der er ganz legal Waffen und Munition kaufen kann." (...)
Auch den Landrat Frank Martin Neupärtl trifft der Hessische Rundfunk bei seinen Dreharbeiten in Frielendorf an. Auch er feierte mit der Reservisten-Kameradschaft das 40-jährige Bestehen. "Die Kameradschaften genießen im Schwalm-Eder-Kreis hohes Ansehen", heißt es im Bericht.
Der hessische Reservistenverband will nach den Recherchen der Journalisten und eigenen Untersuchungen nun zwei Mitglieder ausschließen, darunter auch Wolfram M.. Der gibt an, inzwischen nichts mehr mit der rechten Szene zu tun zu haben.
Hessischer Rundfunk, Magazin de facto, 4. Oktober 2009
* zum Foto:
§ 23 Kunsturhebergesetz:
Ohne Einwilligung des Fotografierten dürfen Fotos verbreitet und "öffentlich zur Schau gestellt“ werden, "auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen“, außerdem "Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben“. Wer also an einer Veranstaltung [der Infostand einer Partei ist im ordnungsrechtlichen Sinne eine Kundgebung] teilnimmt, muss damit rechnen fotografiert zu werden.
 
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letzte Aktualisierung: 05.10.09