| |
25.
Juni 2009
Blickpunkt
Schwalm
Mühlen
mahlen langsam
Vor
dem Amtsgericht in Schwalmstadt müssen sich nun die Täter
zweier gewaltsamer Übergriffe im Jahr 2008 verantworten. Rund
ein Jahr nach den Ereignissen müssen die jungen Männer,
die der rechtsextremen Gruppierung "Freie Kräfte
Schwalm-Eder" zugeordnet werden, nun mit Konsequenzen
rechnen. Nicht mehr länger still sein will der Schulleiter
der beruflichen Schulen in Ziegenhain. Der wachsenden Präsenz
von Neonazis an der Berufsschule will er nun konsequent begegnen.

Vor
dem Amtsgericht Schwalmstadt-Treysa wurde am 17. Juni 2009 der gewalttätige
Übergriff von Rechtsextremen auf einen jungen Mann am 17.08.2008
auf der Kirmes in Obergrenzebach verhandelt. Drei jungen Männern
wurde der Vorwurf der gemeinschaftlichen Körperverletzung gemacht.
Sie sollen das Opfer auf der Kirmes gepackt, zu Boden gezerrt und
getreten haben. Das Opfer soll den Neonazis bereits im Internet
aufgefallen sein. Auf der Kirmes interpretierten die Rechten dann
offenbar das T-shirt des jungen Mannes als Bekenntnis zu einer alternativen
Jugendkultur. Mehrere Zeugen wurden gehört. Die öffentliche
Verhanlung wurde auch von mindestens vier Sympathisanten der örtlichen
rechten Szene besucht. Der Hauptangeklagte, ein heute 18jähriger
Schüler, wurde zu einer Woche Dauerarrest verurteilt, die weiteren
Angeklagten erhielten einen Freispruch.

Ein
Beobachter erklärt, der verurteilte Haupttäter habe sich
im April schon einmal wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung
vor Gericht verantworten müssen. Er soll dabei einen Freizeitarrest
als Strafe erhalten haben, der am Wochenende nach Planung zu vollstrecken
gewesen wäre. Der Forderung seiner Verteidigerin nach Arbeitsstunden
und Ausdehnung des Freizeitarrests folgte das Gericht nicht.
In
der Verhandlung spielte der politische Hintergrund der Täter
keine Rolle, erklärten Besucher. Dies wäre auch einmal
mehr ganz im Sinne gewisser Menschen in Amtshäusern und Parlamenten,
die jeden Verdacht eines rechtsextremistischen Hintergrunds sofort
und ungeprüft verleugnen. Der im Frühjahr herausgegebene
Verfassungsschutzbericht des Landes Hessen für das Jahr 2008
liefert dagegen einen vergleichsweise ausführlichen Bericht
über die Aktivitäten der rechtsautonomen "Freien
Kräfte Schwalm-Eder".

Ebenfalls
vor dem Amtsgericht in Schwalmstadt-Treysa wird derzeit der Überfall
von Rechtsextremen auf einen Jugendclub in Todenhausen im Juni 2008
verhandelt. Am frühen Morgen rollten damals vier PKW aus Schwalmstadt
durch den Frielendorfer Ortsteil Todenhausen. Eine Gruppe von schwarz
gekleideten und maskierten Jugendlichen, so Augenzeugen, verteilte
sich mit großen Steinen in den Büschen am Jugendclub,
der um diese Uhrzeit bereits geschlossen ist. Einige Todenhäuser
Jugendliche bemerkten das Geschehen auf dem Heimweg von einer Fete
und gingen zum Jugendclub. Als sie dort eintrafen, kamen die Angreifer
aus allen Richtungen und begannen eine heftige Schlägerei.
Zwei Jugendliche mussten im Krankenhaus behandelt werden. Bei den
vermeintlichen Tätern soll es sich um bekannte Anhänger
der rechtsextremen Gruppierung "Freie Kräfte Schwalm-Eder"
handeln.
 |
|
23.06.09:
Aufkleber der rechtsextremen JN (NPD-Jugend) im Raum Schwalmstadt
|
Die
Situation an den Schulen in der Schwalm ist weiter kritisch. Das
zeigen auch die Äußerungen des Schulleiters einer Berufsschule
in Schwalmstadt-Ziegenhain in der Tageszeitung von heute. Rechtsextremismus
ist offensichtlich an Schulen in der Schwalm kein Phänomen
mehr, das sich auf einzelne Verblendete begrenzen lässt. Nach
den Schilderungen in der HNA kann ein Unterricht im Fach Politik
kaum noch durchgeführt werden, weil Schülerinnen und Schüler
sich weigern, noch länger den dauernden Attacken rechtsextremer
und faschistischer Propaganda ausgesetzt zu sein. Dabei machen sich
in einer Klasse offenbar gleich mehrere Nazis gegenseitig Mut und
lassen Mitschüler/-innen und so manchen Lehrer durch einstudierte
Nazi-Rhetorik verzweifeln.

Als
die Schule dann auch noch Opfer der neuesten Aufkleber-Welle der
Schwälmer Nazis wurde (siehe Foto links),
hat die Schulleitung offenbar die hilflose Lage erkannt und ist
an die Öffentlichkeit getreten. Man möchte von Seiten
der Schule auch Hilfe von außen annehmen, eine Fortbildung
wird organisiert. Außerdem gibt der Schulleiter ein ganz klares
Signal: "In den Beruflichen Schulen dulde ich keine Agitation,
keine rechte Kleidung und kein rechtes Verhalten." Schüler,
die sich nicht daran hielten, müssten mit Sanktionen bis zum
Schulverweis rechnen. Einige Schüler stünden bereits kurz
davor.

Aus
unserer Sicht ist dieses Phänomen in der Schwalm und an den
Schulen in der Schwalm keineswegs neu. Oder um es deutlicher zu
sagen: dass die Anhängerschaft oder die Sympathie zur extremen
Rechten im südlichen Schwalm-Eder-Kreis heute so einen Umfang
hat, dass gleich mehrere Schüler in den Klassen des örtlichen
Gymnasiums und der örtlichen Berufsschule sich in Ihrer Haltung
bestärken können, ist das Ergebnis jahrelangen Tiefschlafs!
Bei allem Respekt vor der Entscheidung des Schulleiters Weinrich,
sich nun dem Problem an seiner Schule zu stellen.
Stephan
Siebrecht, antimanifest
Pressemeldungen
zum Thema:

DIE
LINKE. äußert sich entsetzt über Straftat von
Rechtsextremisten
Nordhessennews NH24 am 22.06.2009

Eine
Schule wehrt sich gegen rechtslastige Jugendliche
Hessische-Niedersächsische Allgemeine,
HNA
online am 25.06.2009

Kommentar:
Aufstehen gegen Rechts
Hessische-Niedersächsische Allgemeine,
Druckausgabe vom
25.06.2009

Spuckis
an Laternen
Hessische-Niedersächsische Allgemeine,
HNA
online am 27.06.2009
Pressemitteilung
der Partei DIE LINKE., Ortsverband Schwalmstadt am 18.06.2009
DIE
LINKE. ist entsetzt über Straftat von Rechtsextremisten
Am
Vormittag des 17. Juni wurde im Amtsgericht in Schwalmstadt-Treysa
Anklage gegen drei Jugendliche wegen leichter Körperverletzung
und Sachbeschädigung erhoben. Alle drei Angeklagten
sind der rechtsextremen Szene zuzuordnen. Mindestens zwei
von Ihnen sind Mitglieder der Kameradschaft "Freie
Kräfte Schwalm-Eder". Einer der Angeklagten wurde
für schuldig befunden, auf einer Kirmes im vergangenen
Jahr einen 16-Jährigen von hinten gepackt, weggezerrt
und auf ihn eingetreten zu haben. Der Täter hatte das
Opfer zuvor im Internet gesehen und sich von seinem Erscheinungsbild
gestört gefühlt.

Kevin
E., Sprecher des Ortsverbandes DIE LINKE. Schwalmstadt,
findet es erschreckend, mit welcher Härte Rechtsextremisten
regelmäßig gegen politisch Andersdenkende vorgehen:
"Es handelt sich hierbei nicht um einen Einzelfall.
Immer wieder gibt es Vorfälle, bei denen zum Beispiel
Gewerkschafter oder Mitglieder der Linksjugend solid eingeschüchtert
und tätlich angegriffen werden." Er begrüßt
die Verurteilung, stellt sich jedoch die Frage, ob die freigesprochenen
Mitangeklagten wirklich nicht an dem Vorfall beteiligt waren.
In
den vergangenen Wochen präsentierten sich die Schwälmer
Neonazis unter anderem, indem sie rechte Propaganda verteilten
und Aufkleber sowie Plakate an Laternen und einem Schulhof
platzierten. "Diesem Treiben muss endlich ein Ende
gesetzt werden", so Kevin E.
|
|
DIE
LINKE. äußert sich entsetzt über Straftat
von Rechtsextremisten
Am
Vormittag des 17. Juni wurde im Amtsgericht in Schwalmstadt-Treysa
Anklage gegen drei Jugendliche wegen leichter Körperverletzung
und Sachbeschädigung erhoben. "Alle drei Angeklagten
sind der rechtsextremen Szene zuzuordnen. Mindestens zwei
von ihnen sind Mitglieder der Kameradschaft 'Freie Kräfte
Schwalm-Eder'. Einer der Angeklagten wurde für schuldig
befunden, auf einer Kirmes im vergangenen Jahr einen unschuldigen
16-Jährigen von hinten gepackt, weg gezerrt und auf
ihn eingetreten zu haben. Der Täter hatte das Opfer
zuvor im Internet gesehen und sich von seinem Erscheinungsbild
gestört gefühlt", so DIE LINKE. Schwalmstadt
in einer Mitteilung an unsere Redaktion.
Kevin
E., Sprecher des Ortsverbandes DIE LINKE. Schwalmstadt,
findet es "erschreckend", mit welcher Härte
Rechtsextremisten regelmäßig gegen politisch
Andersdenkende vorgehen: "Es handelt sich hierbei
nicht um einen Einzelfall. Immer wieder gibt es Vorfälle,
bei denen zum Beispiel Gewerkschafter oder Mitglieder
der Linksjugend 'solid' eingeschüchtert und tätlich
angegriffen werden." Er begrüßt die Verurteilung,
stellt sich jedoch die Frage, ob die freigesprochenen
Mitangeklagten wirklich nicht an dem Vorfall beteiligt
waren.
In
den vergangenen Wochen präsentierten sich die Schwälmer
Neonazis unter anderem, indem sie rechte Propaganda verteilten
und Aufkleber sowie Plakate an Laternen und einem Schulhof
platzierten. "Diesem Treiben muss endlich ein Ende
gesetzt werden", so Kevin E..
|
|
Eine
Schule wehrt sich gegen rechtslastige Jugendliche
Lehrer
und Schüler wollen rechtsradikalen Umtrieben Einhalt
gebieten
Der
Hilferuf kam von Schülern und Lehrern gleichermaßen:
In einigen Klassen an den Beruflichen Schulen in Ziegenhain
trieben rechtslastige Schüler ihr Unwesen, schüchterten
Schüler ein und rissen die Meinungsführerschaft
an sich.
Als
noch Aufkleber, unter anderem von den Freien Kräften
Schwalm, in der Schule gefunden wurden, war es mit der Geduld
von Schulleiter Karl Weinrich vorbei.
Dem
Treiben rechtsextremer Schüler wollten er und die Lehrer
der Beruflichen Schulen Einhalt gebieten. Zum einen wurde
dem Wunsch der Schülerinnen einer Klasse entsprochen,
nicht mehr mit den Jungs, die rechtes Gedankengut propagieren,
am Politikunterricht teilnehmen zu müssen. Zum anderen
engagierten sie Stephan Bürger vom Jugendbildungswerk
des Schwalm-Eder-Kreises, ein Kenner der rechtsextremen
Szene im Landkreis, für eine Fortbildung.
Ziel
war es, den Lehrern zu zeigen, wie sie die Symbole der Rechten
erkennen und den Argumentationen gegenübertreten können.
Gestärkt werden sollen auch Schüler, um sich gegen
rechte Tendenzen zur Wehr zu setzten. Klar ist für
Weinrich: "In den Beruflichen Schulen dulde ich keine
Agitation, keine rechte Kleidung und kein rechtes Verhalten."
Schüler,
die sich nicht daran halten, müssten mit Sanktionen
bis zum Schulverweis rechnen. Denn die Berufsschüler
dürften zum Teil schon wählen oder stünden
kurz davor. Deshalb werde er es nicht zulassen, dass sie
"solchen Mist hören und vielleicht unreflektiert
weitererzählen".
Das
verstärkte Auftreten der Rechtsradikalen, vor allem
der Freien Kräfte Schwalm, wertet Stefan Bürger
als Beweis dafür, dass sie sich neu organisiert hätten.
Nach dem Überfall der rechten Schläger auf eine
Sommercamp linker Jugendlicher am Neuenhainer See im vorigen
Jahr hatten sich die Mitglieder der Freien Kräfte etwas
zurückgezogen. Einen weiteren Grund für ihr selbstbewusstes
Auftreten sieht Bürger darin, dass in Kürze wegen
eines Überfalls rechter Jugendlicher in Todenhausen
am Gericht in Schwalmstadt verhandelt wird. Bürgers
Fazit: "Die wollen Flagge zeigen."
|
Kommentar
von Rainer Schmitt in der Druckausgabe der HNA vom 25.06.2009
Kommentar:
Aufstehen gegen Rechts
Rainer
Schmitt über rechtsextreme Tendenzen
Wer
geglaubt hat, die Verhaftungen und die Hausdurchsuchungen
nach dem Überfall rechter Schläger auf ein Sommercamp
linker Jugendlicher am Neuenhainer See hätten sich
nachhaltig auf die rechte Szene im Schwalm-Eder-Kreis
ausgewirkt, sieht sich getäuscht. Ganz im Gegenteil:
Die Spuren rechter Aktivitäten sind überall
sichtbar. Sie zeugen vom Selbstbewusstsein der Gruppe.
Doch
nicht nur an Plakatwänden, Bushaltestellen und Schulen
werben sie für ihr verworrenes Weltbild. Auch in
der Schule versuchen sie Fuß zu fassen und die Meinungsherrschaft
zu gewinnen. Wehret den Anfängen. Denn scheinbar
jugendlich-spontane und spaßige Aktionen sind nur
geschickte Werbetricks.
Gegen
Rechtsextremismus gibt es sicherlich kein Patentrezept.
Die einzige auf Dauer wirsame Taktik ist es, die politische
Auseinandersetzung zu suchen. Totschweigen und die Augen
verschließen bedeutet nur Wasser auf die Mühlen
derer zu lenken, die von Freiheit und Meinungsvielfalt
nichts halten.
|
|
Spuckis
an Laternen
Rechte
Freie Kräfte hinterlassen ihre Spuren
Während
der Salatkirmes seien sie an Laternenpfählen zu
sehen gewesen: Aufkleber aus der rechten politischen
Szene darunter auch so genannte Spuckis der Freien Kräfte
Schwalm-Eder.
Nach
Darstellung von Andreas Eckart von den Grünen scheinen
die Rechten ihr Territorium abzustecken. Im vergangenen
Jahr, so Eckart während der Sitzung des Schwalmstädter
Parlaments weiter, habe es die Initiative gegeben, Die
Schwalm bleibt bunt. Nun habe er den Eindruck, dass
seither nichts mehr passiert sei. Von Bürgermeister
Wilhelm Kröll wollte er wissen, wann der runde
Tisch wieder tage.
GÜber
die Aufkleber sei die Stadt informiert gewesen. Zum
einen seien sie entfernt worden und zum anderen habe
man darüber die Polizei verständigt. Auch
würden sich die Mitglieder des runden Tisches zu
weiteren Gesprächen treffen.
|
|
|