| |
07.
November 2006
NPD-Jugend
in Hessen macht mobil
Landesverband
der NPD-Jugend beschließt Aktionsprogramm für Hessen
Der
Landesverband der Jungen Nationaldemokraten JN in Hessen,
Jugendverband der rechtsextremen NPD, beschloss Ende September in
Aßlar ein Aktionsprogramm für Hessen. Schwerpunkte seien
der "Kampf um die Dörfer", "die Schulen"
und "die Politisierung der Jugend". Jedes Wochenende
sollen Aktionen stattfinden. JN-Kader und bekannte Aktivisten der
rechtsextremen Szene näherten sich heute der Demonstration
anlässlich des Erinnerns an die Reichspogromnacht am 7. November
1938 in Kassel und kündeten ebenfalls von kommenden Aktionen.
Wie
der Landesverband der Jungen Nationaldemokraten JN in Hessen auf
seiner Internetseite bekannt gibt, hat der Landesvorstand des
rechtsextremen Jugendverbandes auf seiner Sitzung am 30.09.2006
in Aßlar ein umfangreiches Aktionsprogramm beschlossen.
Die jungen Landesvorsitzenden trauen sich und ihren Mitgliedern
offensichtlich viel zu und wollen an jedem Wochenende ihre Köder
auswerfen.

Das Motto des Programms klingt nach viel heisser Luft: "Eine
Jugend steht auf. Eine Bewegung wächst. Eine Revolution beginnt."
Mit Aufmerksamkeit wird zu verfolgen sein, wieviel Engagement
tatsächlich hinter der braunen Jugendbewegung steht. Einen
Anfang will man im mittelhessischen Grünberg gemacht haben.
Für die dortigen Schulen sei ein entsprechendes Flugblatt
gefertigt worden.
In
der Kasseler Innenstadt fand heute, am 7. November 2006, eine
Demonstration anlässlich des Erinnerns an die Reichspogromnacht
am 7. November 1938 in Kassel statt. Das Kasseler Friedensforum,
Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, freie AntifaschistInnen
und geschichtsbewusste Kasseler Bürger beteiligten sich an
der Veranstaltung. Dem Demonstrationszug näherten sich zwei
bekannte Aktivisten der lokalen rechtsextremistischen Szene (siehe
Foto).
Von
Begleitern der Demonstration wurden sie am Rande in ein Gespräch
verwickelt. Dabei kündigten die bekennenden Faschisten an,
bald auch wieder eine Demonstration in Kassel veranstalten zu
wollen. Angemeldet sei eine Kundgebung aber noch nicht. Zu Auseinandersetzungen
kam es nicht. Der Demonstrationszug hatte die Beobachter aus dem
rechten Lager nicht wahrgenommen oder nicht wahrnehmen wollen.
Kein Fussbreit...
Die
Person mit der Milchtüte (links)
ist Mike Sawallich, bekannter Kasseler Neonazi und zentrale Figur
in der Szene junger Rechtsextremer in Nordhessen. Am 2. September
2006 wurde Sawallich in Gießen zum stellvertretenden Landesvorsitzenden
des Landesverbandes der Jungen Nationaldemokraten JN in Hessen
gewählt. Sawallich trug Aufnäher der JN, sowie das Symbol
der schwarzen Sonne.
Eine
bessere Darstellung der Aufnahme oder personenbezogene Daten der
Abgebildeten können unter Wahrung des Rechts nicht auf diesen
Seiten erscheinen. Wir danken für Euer Verständnis.

Offener
Brief an alle Abgeordneten des hessischen Landtags
von:
Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Hessen;
DGB-Jugend Hessen; Evangelische Akademie Arnoldshain;
Evangelische Kirche in Hessen und Nassau; Fritz Bauer
Institut; Prof. Dr. Benno Hafeneger, Institut für
Erziehungswissenschaft der Philipps-Universität
Marburg; Hessischer Jugendring; Jugendbegegnungsstätte
Anne Frank; Mobile Beratung gegen Rassismus und Rechtsextremismus
für demokratische Kultur in Hessen e.V.;
Netzwerk für Demokratie und Courage Hessen; Sportjugend
Hessen; Stiftung Citoyeng
September
2006
Sehr
geehrte Damen und Herren,

seit Jahren sind deutlich ansteigende Aktivitäten
von Neonazis in Hessen zu beobachten. Wir stimmen
Innenminister Volker Bouffier und Kultusministerin
Karin Wolf ausdrücklich zu, die in ihrer Presseinformation
vom 26. Mai 2005 erklären, "dass sich
Rechtsextreme vermehrt und gezielt an Jugendliche
wenden" und feststellen: "Neben polizeilichem
Handeln ist die verstärkte Aufklärung wichtiger
denn je".
Die
Forschung zum Thema Rechtsextremismus belegt, dass gerade
dem zivilgesellschaftlichen Bereich eine Schlüsselrolle
zukommt, wenn es darum geht, Rechtsextremismus auf lokaler
Ebene nachhaltig entgegenzuwirken.
Auch
in Hessen treten zahlreiche zivilgesellschaftliche Akteure
Rechtsextremismus entgegen und geben kontinuierliche
Impulse zu einer nachhaltigen Stärkung von Demokratie
und Menschenrechten durch bürgerschaftliches
Engagement, Forschung, akademische und professionelle
Projekte in Pädagogik, Beratung und Aufklärung.
Um
diese Arbeit weiter erfolgreich leisten zu können,
sehen die Unterzeichnenden dringenden Handlungsbedarf
und fordern alle demokratischen Parteien in Hessen auf,
sich dem Rechtsextremismus gemeinsam und durch folgende
Maßnahmen in den Weg zu stellen:
|
1.
|
Förderung
lokaler Initiativen und ehrenamtlicher Projekte
durch
dauerhafte - kurzfristig und unbürokratisch
abrufbare - finanzielle Mittel,die
ausschließlich für die möglichst
früh einsetzende Bearbeitung akuter Probleme
mit rechtsextremistischen Aktivitäten sowie
für fachlich fundierte, präventive
Strategien verwendet werden.
|
|
2.
|
Förderung
professioneller Projekte im Bereich Pädagogik,
Beratung, Aufklärung
durch
eine dauerhafte Absicherung entsprechender Projekte
in Hessen mit offen ausgeschriebenen Landesmitteln.
Bündeln,
Konsolidierung und Ausbau des vorhandenen Fachwissens,
der erworbenen Kompetenzen und der bisher vor
Ort gesammelten Erfahrungen durch diese Fördermittel.
|
|
3.
|
Ermöglichung
intensiver Auseinandersetzung in Schulen
durch
zeitliche Ressourcen und die - finanziell abgesicherte
Möglichkeit, externe Unterstützung
auch längerfristig in Anspruch zu nehmen.
Ermutigung
der Schulen, spürbar in Klassenzimmer hineinwirkende
rechtsextreme Aktivitäten durch Maßnahmen
aufzufangen, die in die schulischen Alltagsroutinen
einzubinden sind.
|
|
4.
|
Förderung
wissenschaftlicher Lokalstudien
durch
einen vom Land Hessen in Auftrag gegebenen Hessen-Report,
mit dessen Durchführung ein wissenschaftliches
Institut beauftragt wird.
eine
gezielte Förderung von Studien über
lokale Ausprägungen des Rechtsextremismus
als Grundlage der Entwicklung und Umsetzung
von Handlungsoptionen und Gegenstrategien.
|
Zum
Stand der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus in
Hessen
Im
Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft hat eine
geplante Neonazi-Demonstration, anlässlich des
Spiels Iran gegen Portugal in Frankfurt am Main, bundesweit
für Empörung gesorgt. Dabei ist allerdings
nur die Spitze des Eisbergs ins Blickfeld der Öffentlichkeit
gerückt.
Seit
Jahren sind deutlich ansteigende Aktivitäten von
Neonazis in Hessen zu beobachten. Ergänzend zu
den im Verfassungsschutzbericht 2005 des Landes Hessen
genannten Vorkommnissen verweisen wir exemplarisch auf
zunehmende Schändungen jüdischer Friedhöfe
(Babenhausen im April 2005, Neu Eichenberg im Oktober
2005, Bebra im April 2006, Hasselbach-Weilrod im Mai
2006), Gewalttaten gegen Migranten und Andersdenkende
(Frankfurt-Sachsenhausen im April 2005 und März
2006, Kassel im September 2005, Ziegenhain im Januar
2006) und Organisation rechtsextremer Musikveranstaltungen
(Homberg im April 2005, Darmstadt-Griesheim im Januar
2006, Bad Hersfeld im April 2006, Lahn-Dill-Kreis im
April 2006).
Außerdem
beobachten wir die bedenkliche Entwicklung der NPD in
Hessen, die dem Bundestrend folgt. Die Partei konnte
2005 ihre Mitgliederzahl in Hessen von 300 auf 350 erhöhen
und ihr Ergebnis bei der Bundestagswahl von 0,8 Prozent
im Jahr 2002 auf 1,2 Prozent steigern. Bundesweite Untersuchungen
und die regionale Verteilung der Stimmen deuten darauf
hin, dass dies nicht zuletzt auf steigender Zustimmung
unter der Jungwählerschaft beruht. Die Partei ist
ein zentraler Akteur des heutigen Rechtsextremismus.
Sie fungiert als Knotenpunkt zwischen klassischer Parteiarbeit,
militantem Neonazismus sowie der rechtsextremen Jugendsubkultur
und schafft Synergieeffekte zwischen diesen Bereichen.
Die Wahl des Neonazi-Aktivisten Marcel Wöll
dem Anmelder der eingangs genannten Demonstration
zum Landesvorsitzenden ist ein Signal, dass sich diese
Entwicklung in Hessen verstärkt fortsetzt.
Die
bisherigen Maßnahmen der Landesregierung zur Bekämpfung
des
Rechtsextremismus
sind begrüßenswert, aber dringend ergänzungsbedürftig.
So
sind die Aufklärungskampagne "Wölfe im
Schafspelz", die Koordinierungsstelle für
Ausstiegshilfen IKARus, der Landespräventionsrat
und das "Netzwerk gegen Gewalt" allesamt bei
staatlichen Behörden, insbesondere der Polizei
und dem Landeskriminalamt, angesiedelt, während
für bürgerschaftliches Engagement, wissenschaftliche
Lokalstudien und professionelle Projekte aus dem Bereich
der Pädagogik, Beratung und Aufklärung keinerlei
eigenständige Ressourcen bereitgestellt werden.
Aus der Forschung zum Thema Rechtsextremismus, einschließlich
der Evaluation entsprechender Landes- und Bundesprogramme,
ist bekannt, dass gerade diesem zivilgesellschaftlichen
Bereich ein Schlüsselrolle zukommt, wenn es darum
geht, dem Rechtsextremismus lokal nachhaltig entgegenzuwirken.
Gerade bei der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen
Phänomenen wie etwa Rassismus, die rechtsextremen
Aktivitäten den Boden bereiten, können nichtstaatliche
Einrichtungen wichtige Beiträge leisten. Treten
erste Anzeichen rechtsextremen Aktivitäten auf,
können die lokalen Kräfte durch nichtstaatliche
Einrichtungen in ihrem Engagement unterstützt und
bei Bedarf in einem weiteren Schritt bestärkt werden,
behördlichen Kontakt zu suchen.
Diese
Erkenntnis wurde, ebenso wie das schmerzliche Fehlen
entsprechender Förderung in Hessen, auf der Tagung
"Aktiv gegen die rechte Gefahr. Zivilgesellschaftliche
Strategien gegen die extreme Rechte in Hessen"
(Evangelische Akademie Arnoldshain, 5. bis 7. Mai 2006)
sehr deutlich. Hieraus ergab sich die Initiative für
den vorliegenden Offenen Brief.
|
|
|