30. Juni 2005
Neonazis stören Informationsveranstaltung
zu Wunsiedel in Kassel
Am heutigen Donnerstag, 30.06. fand in Kassel die erste von drei Infoveranstaltungen zum jährlich wiederkehrenden "Hess-Gedenkmarsch" in Wunsiedel statt. Veranstalter war unter anderem der DGB, im DGB-Haus Kassel sollte die Veranstaltung um 19.00 Uhr beginnen.
Als ich, etwas verspätet, um 19.10 den Weg zum DGB-Haus einschlug, sah ich gleich, daß die Personen, die dort vor dem Eingang warteten, keine Besucher der Veranstaltung sein konnten. Ein kahlgeschorener Schlägertyp und ein Neonazi mit klassischem Seitenscheitel, drei weitere Personen mit szenetypischer Kleidung und Haarschnitt machten sich vor dem Eingangsbereich des DGB-Hauses breit.

Bereits 10 Minuten vor sieben hatten die fünf Faschisten das DGB-Haus betreten und hatten nach dem "großen Saal" gefragt, dort sollte die Info-Veranstaltung stattfinden. Aufgrund kurzfristiger Änderungen hatte aber die IG-Metall diesen Raum für eine Sitzung bekommen. Die Störer betraten die Sitzung der Gewerkschafter, nahmen Platz und steckten sich in aller Ruhe Zigaretten an.
Einige Minuten später wurde das Missverständnis klar, die Nazis wurden von der Referentin der Wunsiedel-Veranstaltung dann endlich sehr resolut nach draussen geschickt.

Vor der Tür des DGB endet das Hausrecht. Eben dort blieben die rechten Störer stehen. Zur Hilfe kamen die SAV, Mitarbeiter des DGB und zwei Genossen der PDS, sie und Besucher der Veranstaltung stellten sich dem kleinen Aufgebot. Die Stimmung wurde immer gereizter, die Polizei wurde gerufen. Ein Mitarbeiter des Freien Radios und freier Journalist machte von seinem Recht gebrauch, die Situation auch mit Fotos zu dokumentieren.

Die Besatzung des eintreffenden Streifenwagens fühlte sich überfordert und forderte Verstärkung an. Die Beamten sprachen kurz mit den fünf Neonazis. Daraufhin wurde der Journalist festgenommen! Sein Presseausweis interessierte die Beamten nicht, den wollte man ihm sogar abnehmen. Er wurde zur Herausgabe der Bilder aufgefordert, festgenommen und zum Präsidium gebracht.
Er berichtete später, daß man ihm sogar vorwirft, einen Beamten verletzt zu haben. Ca. 15 Menschen sind Zeugen, daß es gegenüber der Polizei keinerlei Gewalt gegeben hat.
Die Polizisten verweigerten sich, Dienstnummer oder Name bekannt zu geben. Ihre Namensschilder trugen die Beamten beim Einsatz nicht.

Von den fünf Neonazis sind die beiden Wortführer namentlich bekannt. Der erste (Seitenscheitel, Bomberjacke) ist seit Jahren zentraler Aktivist der Kasseler Szene, der zweite (Glatze, kompakte Figur) hat Plakate und Parolen der "Deutschen Stimme" in seine Fenster in der Wilhelmshöher Allee gehängt. Beide sind als gefährliche Schläger einzustufen.
Gegenüber der Polizei spielten sie die Harmlosen und unschuldig Verdächtigten
. Die Polizei sprach Platzverweise aus, drei der Faschisten mussten zur Feststellung der Personalien aufs Revier. Beim Anführer interessierten sich die Polizisten für sein t-shirt. Das braune Teil trug die Aufschrift, "Rudolf Heß - *** ".

Die Veranstaltung fand dann mit Verspätung statt. Ursprüngliches Ziel der Nazis dürfte gewesen sein, an der Veranstaltung teilzunehmen, Interessierte zu verschrecken und das Ganze so zur Auflösung zu zwingen. So bereits geschehen im Dezember 2004 in Friedrichsdorf-Köppern, eine Veranstaltung des Arbeitskreises Asyl und des DGB.

In Kassel gibt es keine gemeinsame Antifa-Arbeit der verschiedenen Organisationen. Verschiedenste Aktivisten verstecken sich hinter diversen Namen und Kürzeln und waren in den letzten Jahren nicht mehr bereit, sich den Rechten geschlossen gegenüber zu stellen. Dies sollte, ich wiederhole mich, dringend verbessert werden. Das ist auch heute das Ergebnis der internen Gespräche gewesen.
 
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letzte Aktualisierung: 01.07.05