zur
Ergänzung:
Artikel
in der HNA
vom 24.09.2006:
Nazis
mussten abziehen
Hofgeismar.
Gerade noch rechtzeitig hat die Polizei am Samstagabend
ein Treffen von Rechtsextremen in Hofgeismar verhindert.
An die 80 Personen hatten sich bereits auf dem Westberg
versammelt, um dort, mitten im Wald, an der Westbergbaude
ein Konzert mit fünf Bands aus der braunen Szene zu
veranstalten. Doch einem größeren Aufgebot der
Polizei gelang es, die Rechten zum Rückzug zu bewegen.
Nachfolgende Sympathisanten, die sich ebenfalls schon auf
den Weg nach Hofgeismar gemacht hatten, wurden von den Veranstaltern
des Treffens umdirigiert. Wie die Polizei beobachtete, fanden
sich die Rechten später in größerer Anzahl
wieder im Schwalm-Eder-Kreis zusammen.

Publik gemacht und organisiert worden war das treffen im
Internet. Dort hatte ein junger Mann aus Hofgeismar zu einer
großen "Geburtstags-Party" anlässlich
seines 25. Geburtstages eingeladen. Die Party sollte an
der Westbergbaude im Hofgeismarer Stadtwald stattfinden.
Für Essen und Trinken sei gesorgt und auf einer großen
Wiese sei ausreichend Platz, um später die Schlafsäcke
auszurollen. Eine genaue Wegbeschreibung wurde angehängt
und der Hinweis gegeben: "Gerne könnt ihr Kameraden
mitbringen".
Ehre,
Stolz und Agitator
Gleich
fünf Bands sollten für rechte Stimmung und Unterhaltung
sorgen. Deren Namen verraten, welcher Geisteshaltung sie
angehören: "Agitator", "SKD",
"Celtic Dawn", "Ehre und Stolz",
sowie "Treue, Schwur und Julmond" sollten
den Versammelten einheizen.
Dass
es dazu glücklicherweise nicht kam, war Hinweisen zu
verdanken, die tagsüber im Polizeipräsidium Nordhessen
in Kassel eingegangen waren. Weil dort am Samstag zahlreiche
Einsatzkräfte aus anderen Gründen zusammengezogen
waren, konnte am Abend ein massives Aufgebot die Rechtsextremen
am Westberg aufsuchen und dem braunen Spuk ein Ende bereiten.
Eng eskortiert von der Polizei wurden sie zum Abzug gezwungen.
Bei Kontrollen stellten die Beamten verbotene Musik-CDs
mit rechtsextremistischen Inhalten sicher.
Die
juristische Handhabe zur Auflösung der Versammlung
lag indes bei der Stadt Hofgeismar. Bürgermeister Henner
Sattler persönlich fuhr, begleitet von Polizeibeamten,
zur Westbergbaude und erklärte den Nutzungsvertrag
für nichtig. Dieser sei unter falschen Voraussetzungen
zustande gekommen. Der junge Mann, der den Vertrag mit dem
Hessisch-Waldeckischen Gebirgsverein als Baudenbetreiber
geschlossen hatte, hatte seine wahren Absichten verschleiert.
"In
Hofgeismar ist kein Millimeter Platz für solche Vorgänge",
ließ der Bürgermeister keinen Zweifel an seiner
Haltung. "Bei uns haben Nazis keine Chance."
Aus
Leipzig und Dresden
Zum
anderen war an den Kennzeichen der Autos, die bereits bis
in der Stadt angekommen waren, abzulesen, welche Kreise
die Einladung zur "Geburtstags-Party" gezogen
hatte. Nicht nur die Rechten der benachbarten Landkreise
hatten sich auf den Weg nach Hofgeismar gemacht, sondern
auch solche aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen.
Die Polizei registrierte neben Fahrzeugen aus Erfurt, Gotha
und Eisenach sogar welche aus Leipzig und Dresden.
Pressemeldung
der Polizei Nordhessen vom 24.09.2006:
Als
Geburtstagsfeier getarntes Skinheadtreffen von Polizei aufgelöst
24.09.2006 - 01:22 Uhr
Kassel
- Ein als Geburtstagsfeier getarntesTreffen von ca. 50 bis
70 Personen, die der rechten Szene zugeordnet werden, ist
am gestrigen Abend von der Polizei aufgedeckt und am Veranstaltungsort,
dem Grillplatz "Westbergbaude" in Hofgeismar,
gewaltlos aufgelöst worden.
Mitglieder dieser Gruppierung hatten die dortige Grillhütte
über den für die Vermietung dieser Örtlichkeit
zuständigen Heimat- und Verkehrsverein Hofgeismar,
angeblich für eine private Geburtstagsfeier, angemietet.
Die
Täuschung fiel allerdings gestern Nachmittag auf, als
die Polizei entdeckte, dass es sich bei der feierwilligen
Gesellschaft augenscheinlich um Skinheads handelte, die
dem rechten Spektrum angehören.
Von
dem Veranstalter war beabsichtigt, dort mehrere Livebands
aufspielen zu lassen, deren Liedertexte rechtsextremistische
Inhalte aufweisen.
Nachdem
der Hofgeismarer Bürgermeister über die Situation,
insbesondere die getarnte Anmietung der Örtlichkeit,
informiert worden war, hatte er den Mietvertrag aufgrund
des Vertagbruchs für nichtig erklärt und im Rahmen
seines Hausrechtes am gestrigen Nachmittag die Veranstaltung
untersagt.
Unter
diesen Voraussetzungen gelang es unter Beteiligung von Beamten
des Polizeipräsidiums Nordhessen sowie der Kasseler
Bereitschaftspolizei das vorgesehene Konzert im Vorfeld
zu verhindern. Bereits Anwesende wurden des Platzes verwiesen
und ankommende "Geburtstagsgäste" kontrolliert
sowie ihre Zufahrt zur Grillhütte unterbunden. Bei
den Kontrollen stellten die Beamten verbotene Musik-CD`s
mit rechtsextremistischen Inhalten sicher.
"Uns
ist es gelungen bereits vor dem Veranstaltungsbeginn den
Schwindel um das getarnte Skinheadtreffen aufzudecken und
nach anfänglichem Unwillen seitens der Gastgeber und
Gäste die Personenansammlung widerstandslos aufzulösen",
erklärte der Einsatzleiter, Leitender Polizeidirektor
Gerd Thielmann. Gegen 21.40 Uhr war der gesamte Bereich
geräumt. Die Personengruppe sammelte sich später
auf einem privaten Anwesen im Schwalm-Eder-Kreis, wo sie
ihr Treffen bis zum Berichtszeitpunkt (0.45 Uhr) friedlich
fortsetzten.
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