23. Dezember 2006
Maksim und die virtuellen Kameraden
Freie Kameradschaft Kassel
sucht Aufmerksamkeit
Seit März 2006 tritt die so genannte "Freie Kameradschaft Kassel" mit einer eigenen Internetseite in Erscheinung. Das dort eingerichtete Forum wird offenbar zum virtuellen Stammtisch und zum Sammelbecken für Nachwuchs-Faschisten und braune Kameraden ohne Anschluss im Raum Nordhessen. Auf der Internetseite erscheinen nun offene Morddrohungen gegen einen Aktivisten des Jugendverbands Rebell. Es wurde Anzeige gegen den Betreiber der Neonazi-Seite erstattet.
Als die Webseite der Freien Kameradschaft Kassel im März 2006 erstmals in Erscheinung trat, handelte es sich technisch gesehen noch um eine .de.vu-Domain. Im Laufe des Jahres stellte der Betreiber auf eine ordentliche .de-Domain um. Betreiber einer in Deutschland registrierten Internetpräsenz sind auch bundesdeutschem Recht unterworfen. Für jeden Betreiber gilt, insbesondere bei derart brisanten Inhalten, auch die Impressumspflicht. antimanifest hat bei der deutschen Zentralstelle für die Vergabe von .de-Domains eine "who-is Anfrage" gestellt, um den Betreiber zu indentifizieren. Die Denic (zentrale Registrierungsstelle) bietet diese Funktion jedem Internetbesucher an, der sich von Inhalten in Deutschland registrierter Domains gestört, beleidigt oder bedroht fühlt.

Bei dem Betreiber der Internetseite der rechtsextremen Kameraden handelt es sich um Maksim B. aus Edermünde-Holzhausen. Recherchen im Internet und Spaziergänge in Holzhausen durch antimanifest ergaben, dass Maksim noch nicht volljährig ist und noch bei seinen Eltern wohnt. Wir stuften die Aktivitäten daher zunächst als das Projekt eines einzelnen Schülers ein. Wir haben Maksim B. über das Gästebuch seiner Internetpräsenz zur Einrichtung eines Impressums aufgefordert und seinen vollständigen Namen bekannt gegeben. Eine Antwort erhielten wir nicht, unser Eintrag wurde in Panik gelöscht. Ein Kamerad bot Maksim B. darauf seine Hilfe an und empfahl ihm, die Seite über eine schwedische Domain zu veröffentlichen.
Der Betreiber unterhält auf den Seiten auch ein online-Forum. Einen Zugang zu diesem Forum erhält man nur nach Anmeldung. Dies ist bei den Rechten ein beliebtes Mittel, um sich der einfachen Beobachtung zu entziehen und Informationen mehr oder weniger im Verborgenen auszutauschen. Erste Erfahrungen im Umgang mit HTML- und Foren-Software sammelte Maksim B. im von ihm gegründeten Multiplayer-Gaming-Clan National-Rulorz.
Im Forum der Kameradschaft werden nun offen Drohungen gegen Aktivisten linker Organisationen ausgesprochen. Die Freie Kameradschaft Kassel versteht sich auch als sogenannte "anti-antifa" (wikipedia) und bedroht nun beispielsweise ein Mitglied des Jugendverbands Rebell in Kassel.
Maksim B. verbirgt sich im Forum hinter dem Pseudonym "Wotan" und macht aus seiner Einstellung kein Geheimnis. In einem Eintrag schreibt er: „Je mehr Einwanderer wir bekommen, desto mehr Rassenmischungen wird es geben... Wenn unsere "tolle" Regierung niemals aufhört diesen ausländischen Abschaum in unser Land zu treiben, wird das deutsche Volk aussterben, da es dann nur noch Rassenmischungen geben wird...“.
Das bei einem deutschen Provider gehostete Forum präsentiert gleich auf der Startseite eine gut sortierte Auswahl an Symbolen, deren Verwendung nach § 86 StGB verboten ist. Da sich zum Unwissen über juristische Sachverhalte auch noch mangelnder Sachverstand im Bezug auf Web-Technik gesellte, wurde das Forum in den folgenden Wochen Ziel einiger Hacks, die stets eine Neuanmeldung der bereits registrierten Benutzer erforderte und den Verlust aller bis dahin veröffentlichten Artikel bedeutete.
Eine "große Geburtstagsfeier" mit anschließendem "Fahnenmarsch" wollten Neonazis am 20. April, dem 117. Geburtstag Adolf Hitlers, in Düsseldorf durchführen. So wurde es zumindest auf der "Heimatseite" der Freien Kameradschaft Kassel angekündigt. Doch daraus wurde nichts, der Antifa-Kok veröffentlichte am Nachmittag des 19. Aprils eine Pressemitteilung, in der die Öffentlichkeit über die anstehende Neonazi-Aktion informiert wurde. Die Düsseldorfer Polizei zeigte sich einmal mehr uninformiert, wegen der nicht einschätzbaren Situation aber als erstaunlich aktiv. Bereits drei Stunden später klingelten Polizeibeamte an der Wohnungstür des Betreibers der "Heimatseite" und wünschten unmissverständlich Aufklärung und eine sofortige Absage des geplanten Unterfangens. Der Auftritt scheint Wirkung erzielt zu haben. Und so hieß es dann auch am Folgetag auf der von Maksim B. aus Edermünde angemeldeten Homepage: "Der Fahnenmarsch in Düsseldorf wurde abgesagt". Statt dessen werde man sich mit einem "Kameradschaftstreffen in Kassel" begnügen. Und dabei blieb es dann auch. (Quelle: www.terz.org, 27.04.2006)
Maksim B. ist begeisterter Anhänger diverser Computerspiele, darunter auch die umstrittenen "Ego-Shooter" oder "Killer-Spiele". Diese Spiele lassen sich auch online gegeneinander ausführen. Auf der Seite www.ligahq.de ist Maksim B. zu diesem Zweck angemeldet. In seinem Benutzerprofil gibt er unter anderem Auskunft über sein Lieblingsessen: Döner Kebap...
Für ein Verbot der Freien Kameradschaft Kassel und aller faschistischen Organisationen!
Tobias S., Kassel den 11. Dez. 2006:
Offener Brief zur Morddrohung durch Kasseler Faschisten gegen meine Person
Mitte des Jahres 2006 erschien im Internet die Seite der neofaschistischen Freien Kameradschaft Kassel.
Inzwischen dient vor allem das Internetforum dieser Seite dazu, dass sich die einzelnen Faschisten und Faschistencliquen in und um Kassel kennen lernen, austauschen und Aktionen planen. Die Betreiber der Seite haben Kontakte zu Neofaschisten in allen Bundesländer und sind regelmäßig bei Faschistischen Aufmärschen, Feiern usw. dabei.
Die Faschisten der Freien Kameradschaft Kassel sehen sich selbst als „nationale Sozialisten“ und bewerben dies auch mit der Parole „der Sozialismus der Zukunft ist national!“ Gleichzeitig ist die Seite seit einigen Wochen auch die Seite der sog. „Anti- Antifa Kassel“. Der erklärte Zweck der „Anti- Antifa“ ist es Antifaschisten anzugreifen, sie auszuschalten und Protest zu verhindern. Der Personenkreis der „Anti- Antifa“ und Freien Kameradschaft Kassel ist höchstwahrscheinlich der gleiche.
Ein Zitat eines Schreibers im Forum lautet:
„(…) Wen_ wir Anti Antifa Arbeit betreiben, dann soll diese effektiv sein. Zur Zeit können wir froh sein das_ es in KS keinen wirklichen antifaschistischen Widerstand gibt. Sollte es Personen geben_ die wirklich versuchen gegen nationale Strukturen vorzugehen_ werden wir uns wehren (…)!“
Solche Aussagen zeigen das sich die Faschisten in Kassel momentan in Sicherheit wähnen und in Ruhe ihre Organisation aufbauen können.
Durch die Aufmerksamkeit der Kasseler Öffentlichkeit konnte in den letzten Wochen die faschistischen Umtriebe und Machenschaften um die Führung des Vereins „Spitze e.V.“ in Stadtteil Holland Nord aufgedeckt werden. Hier ist ein richtiger Weg eingeschlagen worden.
Wie das aussieht wenn solche Leute gegen Antifaschisten vorgehen, habe ich aktuell zu spüren bekommen. Drei Tage nachdem ich mich in das Forum der Freien Kameradschaft Kassel, (das frei zugänglich ist) eingeloggt hatte, wurden von dem Betreiber der Seite Fotos von mir sowie meine Handynummer und mein alter Wohnort mit folgendem Zitat veröffentlicht:
„Falls ihr Spitzel, V-Männer, Antifas, Polizisten, den Staatschutz oder sonstige unerwünschte Personen hier im Forum bemerkt, könnt ihr deren Benutzernamen und mehr hier ins Thema reinsetzen und wir werden uns anschließend um sie kümmern.

Und weiter heißt es dann noch:
Hallo @Tobi.....du bist bald Geschichte!
Ich sehe das neben einem unrechtmäßigen Eingriff in meine Privatsphäre vor allem als Angriff auf eine antifaschistische Einstellung die gemeinsam zurückgewiesen werden muss. Zumal es sich hier auch um eine offene Morddrohung gegen meine Person handelt. Dagegen werde ich auch gerichtlich vorgehen.
Wenn die Faschisten auch noch so auf Biedermann machen und sich Volksnah geben, an solchen Punkten zeigt sich das sich alte und neue Faschisten in nichts unterscheiden. Die geschichtlichen Ereignisse und die gewalttätigen Übergriffe zeigen, dass Faschisten sich gnadenlos gegen alle „Andersdenkenden“ richten: gegen Gewerkschafter, Demokraten, Ausländer, Linke, fortschrittliche Christen usw. Nach Errichtung der Hitler Diktatur wurden zuerst die Gewerkschaften und dann alle Parteien verboten.
Die Androhung und Ausübung von Gewalt gehört dabei zum festen Repertoire – damals wie heute!
Deshalb geht es in meinem Fall auch ums Prinzip.
Bieten wir solchen Kräften die Stirn, oder lassen wir uns von den braunen Schlägern terrorisieren. Es ist ein Unding, dass solche Drohungen und Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte ungestraft veröffentlicht werden dürfen.
Ich werde Anzeige gegen die Freie Kameradschaft Kassel stellen und fordere dabei, das die Fotos von mir sowie meine Handynummer, Wohnort usw. sofort von der Seite der Kameradschaft Kassel zu verschwinden haben. Aufgrund des extrem ausländerfeindlichen Hintergrunds der Website trete ich auch für eine Abschaltung der ganzen Website ein!
Ich möchte alle Leser dieses Briefes bitten mit mir gemeinsam eine breite Öffentlichkeit herzustellen und für ein Verbot der Freien Kameradschaft Kassel und aller faschistischen Organisationen einzutreten.
Nach Artikel 139 im Grundgesetz dürfte es in Deutschland keine einzige faschistische Gruppe, Organisation oder gar Partei geben. Wer also hat ein Interesse daran das Freie Kameradschaften, NPD, DVU usw. nach wie vor existieren?
Für ein Verbot der Freien Kameradschaft Kassel und aller faschistischen Organisationen!
Unterschriftenliste auf : www.rebellkassel.de
Kassel, den 11. Dezember 2006
 
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letzte Aktualisierung: 23.12.06